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Um zwei Uhr flammt der Feldtvebel: „Soo, rS alles da?-- Angetreten! — Die Konltmgnie marschiert Müder zum j&atynW
„Zum Bahnl-of!" murmelt der Raubler; „die wem uns doch net mit Mi Lu^ttszug ins Seebad bvinga!"
Tie Kompagnie zieht also zmn Bahnhof. ..
Ta stellt nxchrhastig ein Zug! — Und es kommt tatsächlich der Befehl: „Immer cchtundvierzig Mann in acht Gruppelt zu je sechs Mann! — Jede Gruppe beseht ein Mteil!"
,Letz da bin do sch) gspauur wia a Tele^raphendraht, lvas mit uns geschiecht!" sagt der Schneider Benodrkt zu seinen fünf Kameraden beim Einsteigell.
„Parole Miesbach!" erroiedert einer von ihnen und seufzt.
„Herrschaft! Ta is ja eurgheizt! Die Wägir fand ja warm!" ruft plötzlich der Unteroffizier Maurer: „da schaug her! Tie gebns nobel z' Belgien! Die Heizen im Hochsommer aa ei!"
Ta ertönt der Befehl: „Alles auskleldeu!"
Jeder rumpelt aus der Uniform, hängt seine sieben Zwetschgen an den Kleiderhaken und denkt: „Jetz dees is guat! Ta mrtaß ma glei nackat ins Seebad fahm! — Scheints, bamit nia schneller beim Zeug is, waltn der Zug am Meerbusen halt', und wenn'H hoaßl: Mit Kopfsprurtg marrsch nrarrsch!"
Nun lind sie alle ausgekleidet, und der Raubler lneirrt: ,.A, Herrschaft! Jetz schaugn mir guat aus! Jetz wann uns der selige Paradiesadam sehgn tat — so in seiner Unifvrin — mit'n Hunds« zeichen nmghängt, statt'n Feigenblattel! Tar tat uns sofort seiner Everl vorstelln!"
„Kinder, hat ßoaner an Fahrpttnt dabei?" fragt derweil eüt anderer: „i möcht dock) amal nachschaugn, ob der Krippe! Verspätung hat, daß er so lang net abfahrt!"
„I glaab eher, daß der no z' früah dro is," meint der Schneider; „mir müassm sicher no so lang warten, bis droben a See* schLacht vorbei is. — Aber — da sckxrugs her, — da steht a Kisten! — Mit lauter Soaffa! — Ah, Herrschsaft: Nlrr Seife rns Bad! Kein Handtuch! stützt da auf dem Decket! — Da sau also extrige Ab« tvocknungSmammseUen kommandiert, scheints, die wo derweil am Strand spaziern gehngau, bis mir wie die Benus wieder valls- kemman crus'll Wasser, schneeweiß wia aa Meerschaumspitzl!"
In diesenl Augenblick öffnet sich eine schmale Tür, der Feldwebel erscheint und" ruft: .„Is alles fertig? — Natürlich, der Schneider muß ivieder eine Extratostüm anchrben! Ter muß im Brustbeutel baden! — Alles im Gänsemarsch mir nach!"
Tie Leute rumpeln auf, — folgen verwirrt der Kompagnie- mutter, — und stoßen, einer nach dem andern, plötzlich oen Ruf aus: „Ah, Ah, Herrschaft!"
Ta steht man ja plötzlich in einent rchtigen Brausebad!
Ein Güterwagen, — noch zivei, — alle drei wie die T-Zug- wagen durch eine sogenannte Ziehharmonika miteinander verbunden, mit sauberen Holzvostböden, Fußbänken, Seifenbrettern aus gestattet, — mit je 38 Brausen an der Wagendecke, — wie in einem städtischen Volksbad!
Tie starre Verwunderung der Leute hat sich noch nicht gelöst, als sie, immer zwei unter einer Brause, dasteheu und gespannt zu derselben emporschauen.
„Gibs da koa Wasserhahns" fragt einer noch; — da kommt ein Strahl,, — und er hat die Augen und das Maul im Nu so voll, daß es ihm zur Nase wieder heraus'ßoinmt.
„Aah! — Mm hm! — Huuh!"
Wahre Jndianetttaute, wohliges Gurgeln und freudiges Wiehern schallt durch die ganze Gesellschaft.
„Ah — Is dir dees an Wohltat! — I fintm mir vor wia a Engländer! — Wia a junger Herrgott!"
„Einseifen!"
Heißa! Tas geht! Da schrubbt und ribbelt jeder an sich — an dem Kameraden, — seift, reibt und schäumt, — und hat keine anderen Skruk mehr als ein wohliges Grohnen und Brummen.
Und dann kommt abennals em warmer Wolkenbnch; — der Dreck und die Seife, der ganze Grand, alle schlechte Laune, die Müdigkeit und .Erschöpfung, — sie werden weggeschwemmt von diese« Regen. ^
„H'^nmelseiten! — Jctz fehlt gar nix, als lvia a Snffrgetten- kompagtlie zum Slbtrockuen!"
Ter Raubler sagt's.
Aber da ist der Traum *u Ende, weg treten heißt's und Platz nrachen für die nächsten. ^
„Kiirder, dees nmr direkt a Märchntgschicht!" sagt darnach beim Rückmarsch der Unteroffizier Lachner; „i kimm mir grad vor, wia a abgspülte Suppenschüssel!"
„Und i wia a Osterlamperl vom Konditor Teiglein!" sagt der Gefreite Büchner; „Herrgott, hent loairrt .uns d' Engländer sehgn taten! Tie würden direkt blind, vor lauter Glanz! Is guat, daß mir jetzt grad Neumond (habn! — die Kerl moauaten funst direkt, 's Ehrist'kindl Ivvar^kemma!"
Unter solchen Sprüchen aeht's zurück ins Ruhequartier, wo sich leoer den Fraß und Schlaf gut schmecken läßt. Am andern Tag ziehen dt) Leute mit neuem Schneid und frischem Mut in ihre Erdlöcher und Gräben
vüchertlsch.
— Cornelie Nuernberg: Im Banne der Götter.
Germanische Tragödre in 5-Mden. — 17, Weimar, Weimarer Schriftsteller-Bund Preis im Umschlag 2 Mark. — Ein starkes dramatisches Talent leuchtet arch dieser germanischen Tragödie uns entgegen. In dramatisch lebendiger, eigenartia poesievoller, form- voller Sprache voll Kürze und ^Gedrungenheit, hinreißender Ge« stattungs'traft des darin zum Ansdrucke kominettden Lebens aus der Zeit des 8. Jahrhunderts, wo noch,Heidentum und Christentum um den Sieg rangen in den Herzeii und Heimatstätten der freien Sachen. ersteht nns ein Bild aus Serien großen Tagen, da erst das Schwert den vollen Sieg des Kreu.M nach Karls des' Großen Willen erringen mußte. Ter prächtige dramatische Stoff ist von der Verfasserin der Tragödie voll gemeistert; die Gestalten des Dramas erwachsen vor unseren. Augen zur vollen erforderlichen tragischen Höhe, .das standhaft heidnische Heldenpaar, Sigurd und Ilse, gibt tvahre Prack;>tfiguren für die Bühne und tritt aus dem Chor der Nebenspveler- und spielerinueu gewaltig .kühn tind charaktervoll hervor. Aber auch diese Gestalten find gitt urtb prächtig lebensvoll getroffen^der verrätcrisckZe doppelte Abttlkrnling und schtvächliche Bruder Sigurds; die treue, jum Christentum ndgeitbc Helga; der milde, echt christlich fühlende ,Abt Eginhard; der faixatifd>c Mönch Kilianus; der Laienbruder Andreas, spätere Gatte Helgas, und Dietrich, HmisMeister auf Sigurds Gdelhofe. Die glückliche Wahl des Stoffes, die hohe draniattsche Span.rmtg, kunstreiche, kräftige Sprache, der starke Gefü'hlsgehalt dieser germanischen Tragödie berechtigen zu der Hoffnung, in Cornelie Nueruberg eine sehr beachtenswerte neue Kraft für-unsere großen Bühnen begrüßeir zu dürfen.
— Das Glück in der Sackgasse. Roman von Her- man Kurz. Geb. 5 Mapk. Verlag von Quelle L Meyer in Leipzig. — Das Buch handelt von beschau.lichen Leuten und ihren Schicksalen, und wenn man.es liest, wird einem selbst so beschaulich zu Mute, als säße man in einem alten sonnigen Klostergarten und ein weiser Prior weise über die Klosterm-auer ans den Strom des Lebens, in dessen brettern, behäbigem Hanf sich die bimten Bilder der Welt da draußen spiegeln.
— H a n s Müller-Schlösser: T ie Z i n u ka n ne. Komödie in drei Auszügen. — Verlag von Egon Fleische! & Co., Berlin W. — Preis 2 Mark. — Tie neue Komödie Müller-Schlöst jers weyt alle Vorzüge seines so schnell berühmt gewordenen „Schneider Wibbel" auf. Wie in jenenr ist auch in dieser der Tichter jenseits gecktiger und seelischer Erschütterungen voll Ironie nnd treffender Satire. Bei aller dramatischen Schwungkraft unrkt sein Blick für die Winzigkeiten des Milieus und sein Behagen aur kleinbürgerlichen Leben vevgjtüalich und au heimelnd. Tabei ist aber nremals an dem literarischen Wert seiner Arbeit ein Zweifel, denn sie wurzelt im heimatlichen Boden, imd die Charakteristik der Personen ist durchaus auf völkische Art gestimmt.
— Tas literarische Echo. Halbmonatsschrift cklr Literaturfreunde. (Begründet von Dr. Josef Ettlinger. Herausgegeben von Tr. Ernst Hetthorn.) Verlag: Egon Fleische! L Co., Berlin W 9. Tas 1. Dezemberheft ist soeben mit folgendem Inhalt erschienen: Otto Braun: Mffassung und Schilderung der Wirk- lrchkett; Erich Klein: Zacharias Werner; Hans Frauck: Tie Dramen Arno ddadels; Hedwig Fisch,nuuui: .Das Bild der Mpen- Kurt Martens: Flugschriften über den Krieg XV; — Echo der Bühnen (FrMckiurt a. M., Münckren, Berlin, dttirnlu-rg, Hamburg. Wien, Coburg) — Ech> der Zeitulrgen (Goetl-e mrd Lutlwr, Theater und Kultur, Walter Flex, Besuch bei Maurice Barres, Verschrei« denes) - Echo der Zeitschriften (Nord und Süd. Nöasteil, Tie Glocke) Echo des Auslandes (Serbischer Brief, Französistt)er Brief) —- Kurze Anzeigen von ALartin Somnrerfelo, L. Leow, bard, Kurt Münzer, H. Jantzen. Hugo Weber, Hans Franck, Ludwig Geiger, Mexcmder von Weilen, Richud Charmatz, Max Hochberg — Nottjen — Nachrichten — Ter Büchermarkt.
— Unsterblichkeit, Vom geheimen Leben der Seele und der Ueberwindung des Todes von Tr. Carl Vogl. Einhorn-Ver- lag, Tachau. — Ein tief verinnerlichtes Äuch ist es, das Dr. C. Vogl hier geschrieben hat. Der Verfasser behandelt die Frag« der Unslerblrchknt, die Feststellung des tatsächlichen Vorhandenseins emer wetteren übersphärischen Ernstenz, nach der von je hte allcrhüchfte >L»ehnsucht des Menschen geht, nnd zeigt, wie bte Geckvesmachte Urchnstenglaltben gmd alttirdistt^ Weishett die Krone des Lebens vorahnend schauen lassen. Tas Diesseits, Aufklärung, Rattonattsmus, Vernlmftsn'ahrhettett, Nietzsches Herrenmenschen- t«cm, alle Argunrente der diesseitigen Welt werden dem Jenseits eines unbe'katmten Seins entgegeugestellt. Des Geistes Dein ist
Herr über der Materie
Anregmig imb Belehrung gttreit.
Tas mteressante Werk wird vielen
Wo ist der deutsche Horchpostcu?
Auflösung des Vexierbildes in voriger Nummer:
Zwischen dem links ehenden Soldaten nnd dem mittleren Pfert^ Man betrachte das Bild von der linken oberen Ecke.
Schnftleitnng: W. Meyer. — Zwillingsrnnddntck der Brüh l'schen Univ.-Bnch- nnd Steindrnckerei. R.
n ii o c, Gieijen.


