Ausgabe 
5.12.1917
 
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- Gib

*m an; nur bas Gehirn arbeitete mit mathematischer Genauig­keit und einer Äektrischen Eile. .ES ftanb fblgenbcö für ihn außer Avctfel: in seine Fernleitung war irgend jemand eingeschaltet. Jemand, der man hatte es am Klang der Stimme gehört> sich gnnz in der Nahe aufhiett. Es war ferner eine weibliche Stimme, und sie mußte in der Reichsveite seiner eigenen Stimme sein.Keine Eile, Frank Witt! Neun Minuten, vierzig Sekunden. Mir wnnen rms noch eine Weile unterhalten."

Diesmal kam die Sitimnre nicht mehr aus deur Schalltrichter, sic quoll aus den Falten des Vorhanges' vor dem vergitterten Fenster.

Frank Will war entsch-bossen: Wer in sein Geheimnis tritt, »oird getötet. Ah, inan brauchte ja mrr die Starkstiwmleittmg, die für- bessere Zwecke in Bereitschaft stand, schon jetzt ein wenig anwenden. Tas »var 'doch sehr einfach: man schattet Startstrom ein rutd dirigert ihn a»»s dein völlig isolierten Tisch nach der Richtung des, Vorhanges. Na . . . sollte das nicht der richtige 'Kontakt ge­wesen ....'? Ta fließt ja kein Strom . . .? Urrd nun teilt »ich der Vorhang wie ans einer Bühne, und die Frau, deren Stimme »vre du Schatten vorausgefallen mar, steht plötzlich vor Frank Witt. Mach dir keine Mühe, lieber Frennd. Tas Starksttviukabel ist zerschnitten; und die KraftMttage sieht unter polizeilicher Be­wachung. Nun »volle»» wir es, uns aber gemütlich machen, vor allem etwas mehr Licht . . . so! Na. keine Dummheiten, Frank Witt, steck doch den kindischen Revolver ein. T-u erlaubst eine Zigarette."

Tie schöne junge Frau setzte sich unter den blauen Kreis des Decken lichtes. UutM ihren klaren Augen wurde Frank Witt still, klein, unwichtig. sachlich, nnr manchmal von Leidenschaft ge­rötet, sprach sie zu dem Manu. Es war eiire Abrechnmrg; ein Gericht. Frank Witt saß vor ihr, stumm, überrumpelt. Die Frau, »og an ihrer Zigarette und sagte:Tu hast! poch immer diese an­genehme Sorte. Wie wenig sich der Mensch verändert! Nun habe ich dich über drei Jahre nickst gesehen, und noch immer rauchst du dieselben Zigaretten. Aber, ich mich mich beeilen. In acht Minuten! Liehst du, Frank, als ich dich damals verließ, geschah es, wohl »veil ich Joachim Staalt lieb hatte; es geschah aber auch, »veil ich vicht bei einem Verbrecher bleiben wollte. Ein durchaus genialer Verbrecher, schade, daß ich dich nur den Erfolg trügen muß. Man konnte neben dir nickt leben. Tn sehntest dich nach dämonischen . und ge heimins vollen Dingen. Du wolltest immer zerstören, aber »richt mit .dem Messer in der Hand; nein: fernhin, heimlich, feige. Deine wundervolle Erfinderaobe kam dir zu Hilfe. Du bist reich; du, konntest es dir leisten, unsinnige Summen auf technische Versuche auszugeben. Deine Erfindungen standen im Trensle des Todes. Vielleicht bist du verrückt, Frank. Jedenfalls tzunte ich nicht mehr deine Frau bleiben. Und ich lM.be Joachim Staalt lieb. Taruur ging ich mit ihm. Und von dir. Tu erinnerst dich Tie seltsamsten Anschläge gegen sein Leben und das mdne hüllteir bas erste halbe Jahr nach unserer Trenmmg ein. Sie miß? langen samt und sonders. Tie besten. Detektivs lvareu mit den No.chforschurigen betraut; sie fanden nichts. Mit einen» Male hörten die Nachstellungen auf. Ich ahnte, was das zu bedeitteu hat. Tie Detektive nreldeten: Fra»»k Witt lebt zurückgezogen seinen technischen Versuchen. Ta wußte ich: Du bereitest dein Meisterstück vor . .

Ich wurde mein eigener TetMiV. Ich bat Joachim, allein in der' »lernen Bergstadt zu bleiben, und lebte in deiner Nähe. In hundert Verkleidungen »var ich in diesen» Zimnier. Tu rvvlltest töten und wußtest nicht, daß das Opfer unter deinen Angen die Ferne des Tötens zunichte machte."

^ Sie blickte nach der Tischplatte, wo noch immer die leuchteirden. Striemen glühten, und die Raupen sich nnn garrz nahe aneinander lMrangeschobei» hatten.

Tie Zeit drängt, Frank. Ich »verde dir nur die Tatsachen» erzählen Oh, mrr mehr sechs Minrtten: hör mir zu, Frank. Ich habe auch mchts Geringes geleistet, als ich dich drei Jahre lang be­obachtete. Mso: erster Anhaltspunkt: du sitzest in dem Dienst-! znnmer des Stationsvorstehers 'von Plahnsee. Eiusarnes Nest im Waid. Zugverspätuug. Mit den» Vorsteher bist ixu gut. Plötzlich fällt dem Mrck auf.die Wand. Auf dn dünnes Blatt Papier, in das hundert rote und schwarze Linien eirrgezeichrret sind. Was denn das fet ? Tas? Ach, nur ein Graptzikon. Ja, da »oären mit ganz genauen Lmren dre Lüge einaezeichnet, die auf der Strecke liefen :~ a i ln gleichsam ein Spiegel, ein graphisches Echo der gesamten VerrHrsbllder. Hm! Ob, ob man solch ein Graphikon nickst ein-; mal haben könne? . . . Gewiß!- Einer meiner Beauftragten hat dresc Szene beobackstet und mir hinterbracht. So erfuhr- ich, wre dir der Vorsteher ein anderirral die kleinsten Geheimnisse des Graphiwus, die testen imt> verlegten Kteirznngen der Eisenbah»»- züge erklärte. Ich erfuhrt daß du div ein Graphikon der Strecke verschafftest, an der die .Stadt liegt, wo Joachim wohnt, in der I du auch mich verniutetest. Erfuhr, daß dr» das Eisenbahmvesen studiertest, heunttch die Sttecke, an der dir lag: erfuhr, daß du Tage und Nachte krause Lirrien auf Papier zeichnetest, kurz, ich nutzte: du hattest uns irgendwie deii Tod auf der Eisenbahn zu- gedaast. schickte.Joachim ein TelegraniM,ans keine,i Fall I verreisen, bevor Nachricht kommt". So »var er gesichert. Wir sähest I wrs m die»en drei Jahren nickst oft. Wir mußten.ja die Bahnfahrt vermewon. Und so ttttschierten »vir »vie zu Zeiten unserer lieben- ! ttrgrotzmanla put rmnpoligeur Wägen zueinander. Deine 2lb- I

sichtöll sollte,» nicht durch KerlegirUg seines Wohnsitzes gestört werden. Term, auch ich »vollte mich.risck^n!

Tu meldetest ein Pateitt an zur Benvertuirg eurer »reuen Starr? ström erfind »mg, die du nie gemacht hast. Aber sie gab dir den Vor­wand dafür, große Kraftanlagen zn bauen aus der Strecke, an; der uus beiden der Tod zirgedacist »var. Allmählich ,vr»rde dem' Hm»s eine elektrische Zentralstelle. Ich lstlbe dich dan»als wieder lwlt besucht, Fiu.ck. E»,m»al sogar in der Ver-kleidung eines Arbeiters. Und »veil ich« au deine Ldttrnge»r mit einer Geheimlei»»mg äuge-« schlöffe,» »var, weiß ich nun, was du ,volltest. Ich bewundere dich! Tu hast das leuchtende Graphikon erfunden. Du kam »st mit ein paar Kiwpfen die Strecke beherrschen. Hinter Amphvrt hätte m btei Minuten das Schicksal von ein paar hundert Menschen be­siegelt »verde»» sollen. Tenn »r-e»m die beiden ZÄtzc, die hier', in winzigster Spiegelung nur dn p»rar Millimeter von einander ent­fernt sind, »venn die aneinander vorübersansen, dann hättest du auf den Knopf gedrückt und der elektrisch^ Tod »vüre durch die Schiene»» gestttzl, Hütte ruich und Joachim und hundert Unschuldige ver­nichtet. Tenn dr» wußtest, das; in dem eine»» Zug, itt der einen Raupe, wie di» des Nachts die Züge heimlich flüsternd mmnteft, et ist, »m anderen vermutetest du mich. Tu hast ihn telegraphisch zu mir bestellt. Hast »hm in meinem Namen bcstolstku, den Zug zu be»»utzen, der bei Kilometer 110,7 den anderen trifft, mit bau

zu ihru befohlen hattest Ich konnte Joachim nicht mehr »varnei». Lo blieb mir nichts übrig, als die Polizei zu verständigen.

Nun Frank, sei stark. Noch fünfzig Sekunden. Sieh! wie die Raupen sck-iou aneinander riebe»». Tas war der '.Augenblick, auf den dn^drei Jahre ddnes Lebens Versch»va»d-etest. Und nun, mein armer Freuud, drücke aut den Knopf . . so, . . so. Tn siehst, die Züge sind glücklich aneingpder vorbei! Gott sei Tank. . . Adieu Frank." L»e trat aus dem Dunkel der Ecke und vitschoaud hinter der ruhigen Täfelung der Wand. Draußen wartete der Polizeikom­missar.Ist es so lveit?"Warten Sie bitte »»och eine Minute." >)ctzt horchte sic wartend in die langsamen Sekunden hinein, dann' fiel, vom Fenster her, »vo das Graphikou stand, ein Schuß.Herr Kommissar, Sie brauch?.» sich nicht mehr zu bemühen." Und sic ging aufrecht und ernst die Treppe hinunter.

Zm vadeziig.

Von Lena.Christ.

(Nachdnrck verboten.)

Angetreten! Gehts amal her da, »ne»,re Herrschaften! Um drei Uhr »vird jeder gschrubbt und 'badt, Verstanden! I Hoff, daß euch der Dreck uet mit z-mu Mmterschnwabn

Ter Herr Feldtvebel steht im Hof eines als Rilbeguartier her- gerichteten betgpchen Bauernguts und macht also mit diesen Ltzorta» seine Kompagnie mit den» bevor, teherrden Ereignis bekannt.

Wer a Soaffa hat. ninmtt's mit »ver a Wurzelbürslem hat, nimml's aa mit; »ver m» Roßstriegel branchss, »ncldt sich zur z,reiten Abtdlung! Wer's Wasser fürcht. kriagt a 4R»sck)pnlv«e, und »ver net »nitgelst, der kriagl an Ezttatee!"

Er betrachtet die. Mrkung seiner Rede. Aber da ist n»chts -ui sehet», als eine dnzige große Enttäuschung. .Keine Spur rw»r Freude,

von Spannung!

Jetzt »vird er aber fnMtenfels»vild:Natürlich! Ta hängt' d' Letsche»» scho »vieder! Gsellschaft, traurige? Wem» nur anwt oaner »m Treck erstickat!"

Er läuft »vutsckAlanbeird davon.

Tie Unteroffiziere aber und die Manusckast stehen furcht­bar unglücklich da, und der Untevofftzicr Maurer macht seiner Stimmung Luft:In »»o! Ta sollst ^kva Letsch» »nacha! Jetzt limntt ma ganz und gar zsanrmengschinde,» aus'»» Scknitzen- grabn, is stoamüad und moant. ma-Earm fi eudli amal ausschlaifa:.

derweil hvaßt's baden! Tes »vird »nieder a so a Vergnügen !

In irgend an alten Wagnschmiermfassel oder in einer rinnatn Krantbrentn! - Ta derf nachher a jeder oamal »mtertancha, dreu»»al über d' Haut fahr»», - und »vieder raus. - I fern» die Gschichr! -- Mir sagt koaner »vas! Und dees Wasser dees steht scho vierazwauzg Jahr driun in dem Frßl, oder iro länger!

Ta Han» sa si anuo siebzg scho allelvdl d' Horen neig»vasch<r»'.

A so werd's kemma: ja.rohl. I »voaß's ch scho zum voraus! Und da sollst a no an Kceizsprnng mach»» und Ijerrvergeltsgott saga^ Naa. I bedank mi bestens stir die Baderei!"

Seine Kameraden schnunzeln.

Und der Gefteile Büchner meinte:Wahr »s's sch. An Ruah kriagt ma scho gar nel aa! - Was »verd's an bsvnders iverdn! A paar Kaffeehaferl voll kalts Wasser »verd si halt a jeder über sein LeickMam schütten müassen, und darnach an i> Sunna stell»», daß er »viedr ,'ck-ö trocknet ..."

I glaab's gar net. daß's so rrobel Ergeht!" sagt tx'e Ra»»bler Xaverl von» zwdten Glied:Ta »vcrd's ganz einfach swaßen: ^ angetrüttei», nackcher tvern mir antreten. Na wern's uns an. die näcMbeste Regenlacka fiihrn, und da »ve»-d's hoaßeu : i»»s Bad: un nachher »rwrn mir mit imsere Plaltforinen drinnsteh in dev Soß, wen» a paar »nal in 'd Händ speibm, a bißlaah" groh»»a und mit Kehrt marsch »vieder in unsern UTtterstaud traben. Ja? »ovhl. I moan, i-ffcckies scho!"

Man er»v^»rtct also die Badest»mde mit rocht gemischten Ge» fül>len und allerhand froinnren .Sprüchen und Wünschen.