Königsträume.
Roman von Karl Busse.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
Sie war versammelt. In einem saalartigen Zimmer hatte sich die Gesellschaft um den langen Tisch gruppiert. Da saß Siga Wendrewski, der „Marquis", mit seinem Stückchen neben dem aufgeregten Eusebius von Degorski, der schlanke Marhan Batranski unterhielt sich lachend mit seinem Gegenüber, dem Grafen Bininski, detn Wiederuin mit finsterem Gesicht der von Rybsczynski zur Seite saß. Zwei, drei andere Edelleute saßen weiter oben am Tische, dein dev Hausherr präsidierte.
„Soll die Ecke hier noch besetzt werden, Kozlowski?" fragte der Marquis und schlug mit dem Stückchen auf einen freien Stuhl, der links von ihm stand. „Es fehlt doch keiner inehr. Also, wenn du Glicht auf Geister wartest —"
„Wenn die Geister weiblich sind," lachte Batranski, „sollen sie mir willkommen feint"
„Sie werden es auch ohnedies, hoffe icfj!" erwiderte Kozlowsti. „Nur einen Augenblick Pardon, gleich werdet ihr sie sehen!"
Verwundert folgten ihm die Blicke. Er verließ das Zimmer. Gleich darauf. Härte man ihn reden. Dann öffnete sich die Tür weit.
„Da ist die ganze Gesellschaft," sagte der Hausherr strahlend. Auf der Schwelle an seiner Seite standen Napoleon! Nutkowski und Kasimir Rzonka. Einen Augenblick legte es sich »vre ein lähmendes Schweigen über die Gesellschaft.
„Ich habe die Ehre, meine Herren," sprach Graf Napoleon laut und verbeugte sich. Ein seltsames Lächeln zuckte um seine Mundwinkel. Rybsczynski war es, der sich zuerst faßte. Sem Gesicht ward noch blasser, seine Augen glühten.
„Lucek Kozlowski," ries er in die Stille, „was soll das heißen? Was —"
Er konnte nicht ausreden.
„Verrat!" schrie Eusebius von Degorski und sprang auf. „Wre kommt Napoleon der Deutsche in diese Gesellschaft?"
ity zurückgeschobene Stuhl schlug mit Gepolter um. Auch die übrigen sprangen auf.
„Was heißt das? Wozu sind wir hier? Den Wagen vor!" klang es durcheinander. „Ruhe. Ruhe. Messieurs!" brüllte Graf Bininski dazwischen.
Nur der (Marquis, der den Klemmer aufgesetzt und scharf zu Kazlowskr hinübergesehen hatte, blieb mit etwas ironischem Gesicht sitzen und schlug ein Bein über das andere.
„Damit kann man sich manche frohe Stunde vertreib den/ murmelte er vor sich hin. Und laut, während er mit dem Stückchen auf den Tisch schlug, daß es schallte: „Meine Herren, uh habe Nerven. Bitte, das zu bemerken! Und mir scheint, Graf Napoleon hat auch welche!"
Sein glattes, weißes Gesicht, dieses Knabengesicht, zuckte.
„Ruhe!" sagte jetzt auch Lucian von Kozlowski. „Was soll unser Freund von uns denken, Brüder, wenn ihr ihn so empfangt — Gott verzeih' euch —, anstatt zu jubeln! Hort mich an, Bruder: Der Sohn des bester Ritters der heuigen Jungfrau, Gras Napoleon Nutkowski. will der und mit uns für die Befreiung Polens kämpfen?"
Mächtig hatte die Stimme den Lärm übertünt
„Heda, was sagt Ihr nun?"
„Napoleon der Deutsche? ytapoleon unser," zappelte D^gorskr, „Herzbruder, wenn das wahr ist. altes bitte ich
Und wie ein Brausen erhob sich's rinas. Navoleon Nutkowski, ist das wahr? Napoleon Nutkowski/ willst du zu uns stehen und zu unserer Sachet
, ^ hutte bis jetzt, außer dem ersten Gruße, keinen Ton gesagt. Mrt ubereinanoergeschlagenen Armen blickte er stumm auf den Kreis. Trotzig und finster flog es nur einmal über fern Gesicht, als Degorski „Verrat!" schrie.
Da rief es jetzt, Antwort heischend, von allerr Seiten.
„Es rst wahr?" sagte er laut. „Ich will zu euch stehen! Eure Sache ist meine Sache? Deshalb bin ich hier!"
„Freund! Bruder! Gott segne dich? Nun wird Polen srer! In buntem Durcheinander scholl es an sein Ohr Ueberall streckten sich die Hände ihm entgegen. Jubelnd drängten andere heran, um ihn zu umarmen. Wie besessen tanzte der von Degorski in der Stube herum. „Mes bitte ich ab, alles nehme ich zurück!" schrie er immer von neuem.
Napoleon atmete tief auf, als die Vertreter der Slachta ihn also als einen der Ihrigen begrüßten. So wollte er's haben, hier sah er, was er bedeutete, wie man ihn schätzte. Kräftig drückte er die dargebotenen Hände.
„Und der andere Gast?" fragte Rubfezynski mißtrauisch Erst da wandten sich aller Blicke auf Kasimir Rzonka, der noch immer unbeweglich, aber alles beobachtend, auf der Schwelle stand.
„T as batte ich wirklich beinahe vergessen. Ertalibt, Brüder: Pan Kasi —"
„Ladislaus Pyrka!" schnitt der Abgesandte ihm das Wort ab. Fest und laut klang der Nmne über den ganzen Tisch. Und mit der gleichen Sicherheit: „Ich bitte die hochverehrten Herren um die Erlaubnis, mich auch hier Ladislaus Pyrka nennen z?u dürfen. Wenn die schwarz-weißen Grenzpfähle hinter uns liegen, werde ich die Ehre haben, meinen toahren Namen den Herren 51c sagen. Damit aber kein Mißtrauen Platz greift, bitte!"
Er legte die mit dem Siegel der Nationatoegierung versehene Ausweis karte auf den Tisch. Viele Hände griffen danach. Eusebius von Degorski hielt sie hoch.
Doch er fuhr zurück.
„Von der Nationalregierung!"
Die andern drängten sich um ihn. Es ivar plötzlich stilt. Mit halber Scheu flogen die Blicke zu dem Fremdling hinüber.


