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Rationelle Fütterung der landwirtschaftlichen Nutztiere auf Grundlage der neueren tierphysiologischen Forschungen / von Emil Wolff
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Stoffwechſel im Tierkörper. 17

beſonders raſch zerſtört, im Reſpirationsprozeß verbrannt oder ſonſt umgewandelt. Im Körper des Pflanzenfreſſers gelangt ein enormes Quantum von Zucker oder zuckerähnlicher Subſtanz aus dem Ver⸗ dauungskanal in die Blutbahn, bei einem volljährigen Ochſen im Verlaufe von 24 Stunden oft 6 bis 9 kg, und gleichwohl enthält das normale Blut des Tieres ſtets nur geringe Mengen von Zucker (höchſtens 9,1 0,2%) und nirgends findet eine erhebliche Ab⸗ lagerung und Anſammlung desſelben ſtatt. Dies läßt ſich nur er⸗ klären durch die nach und nach, während der ganzen Dauer des Verdauungsprozeſſes erfolgende Reſorption des Zuckers, ſowie da⸗ durch, daß das Blut in kaum einer Minute ſeinen Kreislauf durch alle Teile des Körpers vollendet und dabei der Zucker raſch der Zerſtörung oder weiteren Umwandlung in Fett oder Glykogen unterliegt.

Die Eiweißſubſtanz der Nahrung, ſoweit ſie zerſtört wird, zerfällt durch die Zellenthätigkeit, direkt oder mit allerlei Zwiſchen⸗ ſtufen,*) in einfacher zuſammengeſetzte Stoffe. Ihr Stickſtoff wird größtenteils zur Bildung von Harnſtoff verwandt, welcher nur Atom Kohlenſtoff für jedes Atom Stickſtoff enthält, während im Eiweiß das Verhältnis dieſer Elemente etwa wie 3 ½: 1 iſt. Bei den Pflanzenfreſſern bilden ſich auch, je nach der Fütterungsweiſe und je nach der Tiergattung, wechſelnde Mengen von Hippurſäure, aber immer nimmt die letztere einen weit geringeren Teil des Stick⸗ ſtoffes der zerſtörten Eiweißſubſtanz in Anſpruch, als der Harnſtoff und oft verſchwindet ſie faſt vollſtändig aus der Reihe der gebildeten und aus dem Körper austretenden Stoffwechſelprodukte.(Von einigen anderen in noch geringerer Menge vorkommenden ſtiickſtoff⸗ haltigen Stoffwechſelprodukten kann hier abgeſehen werden.) Der Harnſtoff wird raſch wiederum von dem Blut aufgenommen, in den Nieren aus demſelben ausgeſchieden und mit dem Harn nach außen hin entfernt; er kann und darf nirgends im geſunden Organismus ſich anſammeln, man findet davon in dem normalen Blut und in den Geweben ſtets nur unbedeutende Spuren, obgleich die Geſamt⸗ menge, welche täglich z. B. im Körper eines Ochſen gebildet wird, zuweilen 500 g und noch mehr beträgt. Bei der vorwiegenden Harnſtoffbildung aus Eiweiß bleibt von deſſen Molekül, wie aus obiger Angabe zu erſehen, ein ſtickſtofffreier Reſt übrig. Derſelbe kann am Körper in gleicher Weiſe, wie anderes ſtickſtofffreies Nähr⸗ material verwendet werden; d. h. zur Wärme: Fett⸗Bildung ꝛc. Wie viel Fett aus Eiweiß allein zu entſtehen vermag, iſt noch unbekannt.

*) Vergleiche das Kapitel der Fettbildung im Tierkörper. Wolff, Fütterungslehre. 7. Auflage. 2