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Rationelle Fütterung der landwirtschaftlichen Nutztiere auf Grundlage der neueren tierphysiologischen Forschungen / von Emil Wolff
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18 Die Geſetze der tieriſchen Ernährung.

Henneberg hat durch ſtöchiometriſche Berechnung das überhaupt mög⸗ liche Maximum wie folgt beſtimmt.

Aus 100 Teilen von waſſerfreiem Eiweiß kann der darin enthaltene Stickſtoff in der Form von 33,5 Teilen Harnſtoff ſich abſpalten; der Reſt des Eiweißes= 66,5 Teile enthielte unter Aufnahme und Mit wirkung von 12,3 Teilen Waſſer die Elemente zur Bildung von 51,4 Teilen Fett und 27,4 Teilen Kohlenſäure. Dieſes Maximum der Fettbildung aus Eiweiß wird wohl nie wirklich erreicht werden. Rubner berechnete die Fettbildung aus einem Eiweißſtoff(Syntonin) auf 46,9%; allein auch dieſe Zahl iſt als keine ſichere zu betrachten.

Das aus der Nahrung reſorbierte Fett kann direkt als ſolches in den Körperzellen abgelagert werden, oder wird eben, wie ein Teil des aus dem Eiweiß oder den Kohlenhydraten neu gebildete zu Kohlenſäure und Waſſer verbrannt, dabei der Wärme⸗ oder Kraftproduktion dienend. Eine Reihe von Beobachtungen ſcheinen dafür zu ſprechen, daß das Fett vor der vollſtändigen Oxydation erſt wieder in ein Kohlenhydrat, Glykogen oder Zucker zurückverwandelt wird. Aus 100 Teilen Fett könnten z. B. durch Anlagerung von Sauerſtoff und Waſſer 189 Teile waſſerfreier Traubenzucker entſtehen.

Der praktiſche Erfolg einer beſtimmten Fütterungsweiſe, die Nährwirkung des Futters ſpricht ſich zunächſt aus, wenn wir vor⸗ läufig abſehen von der Milch⸗ und Wolleproduktion, in dem Anſatz von Fleiſch und Fett am Körper der Tiere und in der Kraftproduktion. Wir haben daher die verſchiedenen Momente näher zu erörtern, welche der Fleiſch- und Fettbildung im allgemeinen günſtig oder nach⸗ teilig ſind und wodurch größere oder geringere Arbeitsleiſtungen der Tiere ermöglicht werden. Vorher aber wollen wir noch einen Blick werfen auf die Methode der in dieſer Richtung angeſtellten Ver⸗ ſuche, auf die Mittel und Wege, unter deren Beihilfe unſere Kennt⸗ niſſe, namentlich über die Geſetze der Fleiſchbildung in neuerer Zeit weſentlich vermehrt und aufgeklärt worden ſind.

Erſt ſeit dem Jahr 1857, nachdem im tierphyſiologiſchen Inſtitut zu München von Biſchof und C. Voit als unzweifelhaft nachgewieſen worden war, daß man unter normalen und hierzu geeigneten Um⸗ ſtänden den ſämtlichen Stickſtoff der Nahrung oder eine dem⸗ ſelben faſt genau entſprechende Menge in denſenſiblen Aus⸗ ſcheidungen der Tiere(in Harn und Kot, beziehungsweiſe Milch, Haar und Wolle) wieder vorfindet und daß der Stickſtoff des Harnes als ſicherer Maßſtab für die Art und Höhe des Zerfalles von Eiweiß im tieriſchen Organismus zu betrachten iſt, erſt ſeit dieſer Zeit war eine zuverläſſige Methode gegeben, mit deren Hilfe die Geſetze der Fleiſchbildung oder die Geſetze des Eiweiß⸗Umſatzes