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Die Unvergessenen / Ilse Stanley ; ins Deutsche übertragen von Ilse F. Stanley
Entstehung
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Wissen bereichern wollte, zu unterstützen. Ich stand meinem Vater innerlich sehr nahe und hatte gehofft, an meinen Plänen für die Zukunft zusammen mit ihm arbeiten zu kön- nen. Es tat mir weh, daß ich nun allein gehen mußte. Er war großzügig genug, mich nicht durch ein Verbot zurück- zuhalten, wußte auch, daß ich mit vielen anderen Eigen- schaften von ihm eine unbeugsame Energie geerbt hatte. Vielleicht hegte er auch die Hoffnung, daß ich, wie er, eines Tages freiwillig meinen Kurs ändern würde, wenn er meinen Trotz nicht bestärkte.

Da er wußte, wie tief mich sein Beruf und alles Religiöse interessierte, bedauerte er oft, daß ich ein Mädchen war, denn seiner Ansicht nach wäre ich als Mann bestimmt Geist- licher geworden. Ich wiederholte immer wieder:»Ich kann Gott und den Menschen auf mannigfache Weise dienen; die einengendste wäre für mich, dies als Rabbiner zu tun.« Mit meinen Ansichten über Konfessionen und Religionspolitik durfte ich sicher sein, den Posten eines Rabbiners höchstens eine Woche halten zu können und dann hinausgeworfen zu werden. Ich mußte meinen eigenen Weg gehen, der schon mit meinem sechzehnten Lebensjahr sich scharf von isolier- ter Orthodoxie abwandte. Da ich nun einmal ein Mädchen war, blieb mir dieser Berufskonflikt mit meinem lieben Vater erspart.

Mit der Einwilligung meiner Eltern fuhr ich nach Absolvie- rung der Schule in meine kleine Heimatstadt, um dort ein paar Monate im Hause der Schwester meiner Mutter, die ich zärtlich liebte, zu verleben. Unter der Aufsicht meines Onkels, der ein gütiger, warmherziger Mann und zugleich ein außerordentlich pedantischer Beamter war, erlernte ich, als Lehrling in seinem Büro acht Stunden täglich sehr ernst- haft arbeitend, Buchhaltung und Verwaltungswesen; steckte jeden Vorwurf für nicht perfekte Arbeit, den mein sehr perfekter Onkel machte, gern ein und erfreute mich jeder Minute meines Daseins. Am Abend lernte ich Schreib- maschine und Stenographie. Ich erhielt das übliche Gehalt eines Lehrlings und setzte meinen Stolz darein, zu meinem Lebensunterhalt in seinem Haus etwas beizutragen. Meine "Tante war außer sich, als sie davon hörte, doch mein Onkel

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