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Die Unvergessenen / Ilse Stanley ; ins Deutsche übertragen von Ilse F. Stanley
Entstehung
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Ich war sechzehn und hatte ehrgeizige Träume, auch die Energie, sie in die Wirklichkeit umzusetzen. Ich wollte meine Karriere als Schauspielerin beginnen, doch ich wußte, daß dies nicht mein endgültiges Ziel war. Ich wollte es so weit bringen, eines Tages als Regisseurin und Intendantin mein eigenes Theater zu leiten. Diejenigen, die das Glück hatten, bei Max Reinhardt zu studieren, konnten den Unterschied ermessen, mit einem Durchschnittsregisseur zu arbeiten oder von einem Genie, wie es Max Reinhardt war, geleitet zu werden. Ihm wollte ich nacheifern, wollte Schauspieler mit all der Einfühlung leiten, die einem empfindsamen Künstler gebührt. Ich respektierte alles Schöpferische, verabscheute jede Art der Imitation bis zu dem Grade, daß ich selbst gute Imitatoren ablehnte. Wollte ich das Werk eines Autors auf der Bühne zum Leben bringen, so mußte diese Arbeit bei- nahe so schöpferisch sein wie die des Autors selbst.

Ich hatte es nicht leicht, Pläne für eine solche Zukunft zu schmieden. Mein Vater war ein hochintelligenter Mann und selbst ein großer Künstler. Seine Entscheidung, als Geist- licher Gott und Menschen vor dem Altar zu dienen, hatte die Laufbahn eines erfolgreichen jungen Opernsängers mit einer der herrlichsten Baritonstimmen, mit denen Gott einen Mann begnaden konnte, beendet. Im Alter von neunzehn Jahren sang er große Wagner-Rollen unter der Leitung eines der berühmtesten Opernintendanten aller Zeiten, Angelo Neumann in Prag. Das Leben an der Oper um die Jahr- hundertwende mit seinem Glanz und Elend, seinem Über- fluß an Intrigen und seinem Mangel an wirklicher Ehrlich- keit hatte einen tiefen, negativen Eindruck in ihm hinter- lassen. Er war zu jung gewesen, es zu meistern, und nach einem besonders bitteren Erlebnis kehrte er der Oper, der Bühne und allem, was Theater bedeutete, den Rücken. Mein Vater erkannte meine Begabung, auch mein Sehnen, weigerte sich jedoch, einem Plan für eine Bühnenlaufbahn zuzuhören, geschweige denn zuzustimmen. Außerhalb des Theaters war er bereit, jedes Studium, mit dem ich mein

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