Druckschrift 
Die Unvergessenen / Ilse Stanley ; ins Deutsche übertragen von Ilse F. Stanley
Entstehung
Seite
37
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Eine Konfirmandin nach der anderen trat vor den Altar und hielt eine Ansprache über das Motto, das sie als Ausdruck ihrer Überzeugung gewählt hatte. Ich hatte zwei Sätze zu- sammengeflochten:»Nicht vom Brot allein lebt der Mensch, sondern von dem, was Gott, der Herr, ihm gegeben hat«, und»Dies über alles, sei dir selbst getreu.«

Bald war die vielbesungene Jugendzeit vorüber. Meine Schultage lagen hinter mir, und ich begann, Pläne für eine Bühnenlaufbahn zu schmieden. Doch vor meinem Eintritt in die»Welt des Scheines und der Illusion« wollte ich einen Bibelabend in meinem Haus geben. Seit dem Entweihungs- versuch der Schauspielerin hatte man die Genehmigung für Vortragsabende verweigert. Doch der Vorstand fühlte, daß er mit der Tochter des Geistlichen kein großes Risiko ein- ging, und man erlaubte mir, eine Wohltätigkeitsveranstal- tung für die Altersheime zu geben.

Obwohl ich später in Hunderten von Abenden die Skala aller Gefühle erlebt habe, wiederholte sich nie mehr das Ge- fühl des vollkommenen Glückes, der Sicherheit und des tief- sten Friedens, das mein Herz erfüllte, als ich, am Altar stehend, zu den Kuppeln meines Hauses aufsah und den Psalm begann:

»Der Herr ist mein Hirte...«

Als mich später in schweren Jahren die Gefahr des Todes umgab und Furcht mein Herz ergriff, schloß ich stets meine Augen, sah vor mir die Kuppeln meines Hauses und hörte mich sagen:»Und wandle ich auch im Schatten des Todes, ich fürchte mich doch nicht...« Und die Furcht verließ mein Herz.

Dreimal war ich in meinem Haus»konfirmiert« worden, und diese Stärkung gab mir Kraft und Frieden und Sicherheit in den zweifelvollsten und zerrissensten Tagen meines Lebens.