der Welt näherbringen zu können. Ich liebe die Musik mei- nes Landes und bin stolz darauf, daß sie in der ganzen Welt gespielt wird. Ich will, daß die ganze Welt mit Respekt und Liebe auf mein Land sieht.
Doch wenn ich zur Schule komme, ist mein Herz von Furcht und Ärger erfüllt. Seitdem Herr Oberlehrer Dr. Schmidt unser Klassenlehrer ist, hassen wir uns plötzlich. Wir sehen uns an wie Fremde, und vorher waren wir doch Freundin- nen, die zusammen aufwuchsen. Er hat Mißtrauen, Zwie- tracht und Haß zwischen uns gesät. Ich wollte dies endlich ans"Tageslicht bringen; das war auch der Grund für meine ungezogene und respektlose Antwort auf seine häßliche Frage.
Es würde mich sehr schmerzen, die Schule verlassen zu müs- sen, doch ich darf Sie nicht darum bitten, mich zu behalten. Aber ich flehe Sie an, respektvoll und dringendst flehe ich Sie an, Herrn Oberlehrer Dr. Schmidt vom Lehrerkollegium dieser Schule zu entfernen, damit der Haß aus ihr entfernt wird. Hätte ich die Möglichkeit, so würde ich ihn aus Deutschland hinausjagen, denn er ist eine Gefahr für meine Heimat.«
Es war sehr still in dem großen Raum. Dann räusperte sich der Geheimrat und sagte, ich könne jetzt in meine Klasse zurückgehen, ich würde voraussichtlich später von ihm hören. Ich hörte nichts von ihm; niemand sprach mehr über den Vorfall.
Ein paar Tage später, als der Lehrer gerade am Ende der Stunde die Klasse verließ, stieß mich Hilde Larsen, Dr. Schmidts Lieblingsschülerin und leidenschaftliche Anhänge- rin des Deutschnationalen Jugendbundes, in den Rücken und flüsterte:» Judenschwein.«
Die Reaktion kam automatisch. Ohne mich völlig umzu- drehen, schwang ich meinen Arm rückwärts und schlug sie ins Gesicht. Das rechte ihrer randlosen Augengläser zerbrach und schnitt ihre Augenbraue auf. Sie schrie auf und wollte zurückschlagen. Ich war inzwischen aus meiner Bank ge- glitten, hatte sie aus der ihren herausgezogen, und die Schlacht brach los. Es war natürlich ein ungeschriebenes Ge- setz für junge Mädchen mit erstklassiger gesellschaftlicher
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