Vielleicht werde ich niemals reich genug sein, um das große Haus zu kaufen, dachte ich; oder vielleicht werden sie es nicht verkaufen, weil es ja doch für den lieben Gott gebaut worden ist. Aber dann werde ich wenigstens das kleine Haus kaufen können.
Ich konnte es nicht länger ertragen, das Haus nur von der Außenseite zu betrachten, und kroch durch das Gerüst in den Hof. Einer der Arbeiter sah mich.
»He, paß auf, Mädel!« rief er zu mir herunter.»Gib acht, sonst kannst du dir sehr weh tun!«
Wie dumm der Mann ist, dachte ich. Wie kann ich mir hier weh tun! Weiß er denn nicht, daß das Haus dem lieben Gott gehört? Ich kletterte mühsam die für meine Kinder- beine zu hohen Stufen hinauf und betrat das Haus durch eine Seitentür. Die sonnige Hitze des Frühsommermorgens war ausgeschlossen, und die silbergraue schattige Ruhe des Vestibüls liebkoste mich mit ihrer Kühle. Leise, den Frieden nicht zu stören, schlich ich zu der großen Mitteltür. Das schwere, aus feinstem Holz geschnitzte Portal setzte meinem Versuch, es zu öffnen, Widerstand entgegen. End- lich gelang es mir, mich durch einen Spalt hindurchzu- zwängen. Die Tür schloß sich hinter mir automatisch, sanft und geräuschlos.
Hier stand ich, unbeschreiblich klein, als erste das Haus zu sehen und in ihm zu weinen. Ich weiß nicht, was mir in jenem Augenblick die Tränen in die Augen trieb; vielleicht war es die überwältigende Größe und Schönheit des Raumes.
Ich mußte mich weit zurückbeugen, um die drei Kuppeln betrachten zu können. Sie erschienen mir hoch wie der Him- mel, und noch schöner. Der Himmel war nur blau, diese Kuppeln schimmerten in Tausenden von Farben. Unzählige feine, bunte Mosaiksteine waren in mühsamer Handarbeit aneinandergesetzt worden. Wohin ich blickte— dieselbe Symphonie der Farben. Mit den weißen Wänden als Hin- tergrund und den strahlenden bunten Glasfenstern war es für mich der traumhafte Palast aus einem Märchenbuch. Langsam ging ich durch den breiten Mittelgang zum Altar. Die Teppiche waren noch nicht gelegt; das glitzernde
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