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Die Freiheitsstrasse : Dachau 1943 - 1945 / Edmond Michelet. Deutsche Übertragung von Dr. Georg Graf Henckel von Donnersmarck
Entstehung
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Gedanken zu erkennen, die an die Fabel von der Fliege und der Postkutsche erinnerten, viel mehr als an einen wirklichen Willen, den Tag einer Befreiung, die ja gar nicht von uns abhing. Daher mußte all das platonisch bleiben. Doch Citron drängte so stark, daß ich mich entschloß, das Revier zu verlassen und in meinen Block zurückzugehen.

Vor mehr als zwei Monaten war ich ins Revier gekom- men. Als ich es verließ, sah man auf den ersten Blick, welches Ausmaß von Verwirrung und Chaos im Lager herrschte. Das sollte sich von nun an immer mehr stei- gern. In den letzten 14 Tagen rissen alle Zusammen- hänge, und eine geradezu ungeheuerliche Anarchie griff um sich.

Der Hof jedes einzelnen Blocks östlich vom Revier ist durch eine Stacheldrahtsperre geschlossen. Im Innern dieses engen Ganges wimmelt eine Menge von blei- chen Gespenstern in Fetzen herum. Dort finde ich den Abgeordneten von Finistere, Grouan, in einem unbe- schreiblichen Zustand vor. In den Blocks krepieren die Unglücklichen zu Hunderten am Tage. Die Leichen liegen jetzt schon auf den Wegen. Seit Januar kommt das überlastete Krematorium nicht mehr nach. Um zu gewissen Blocks zu gelangen, muß man Leichenberge überschreiten. DerMoorexpreß verkehrt langsam von morgens bis abends und schleppt seine Ladung grauen, grünlichen, violettverfärbten Menschenflei- sches zu einer Fleischkammer hinter dem Plantagen- kommando.

In den linken Blocks hat die Epidemie schreckliche Ver- heerungen angerichtet. Umsonst suche ich die Ge- sichter der alten Kameraden, die ich im Januar dort ver- lassen habe. Übriggeblieben sind einige Slawen mit stumpfem Gesichtsausdruck, in Gruppen zusammen- gedrängt, wie die Pestkranken von Jaffa. Bei den Fran-

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