den nächsten Tagen machte er, da er ein ordentlicher Mann war, aus seinem berühmten Manuskript ein ordentliches Paket, verschnürte es und schrieb auf die Hülle in Bleistift mit seiner schönen kalligraphischen Volksschullehrer-Handschrift die einfachen Worte:„Ist an Pierre Suire zu übergeben.”
Pierre Suire war sein großer Freund. Sie waren sich in Natzweiler begegnet. Lapierre liebte Suire wie einen jüngeren Bruder. Suire verdiente diese Ehre vollauf. Ich hoffe, daß Suire, wie Lapierre es wünschte, einmal die Geschichte von Frankreich wird veröffentlichen können, die er in Dachau verfaßt hat, ohne Aufzeich- nung, ohne Katalog und ohne andere Unterlagen als sein Gedächtnis und sein Herz, Georges Lapierre, staat- licher Lehrer.
Als ich auf Pater Dillard im Quarantäneblock stieß, wo er Ende November 1944 ankam, rief ich ihm als erstes Wort etwas zu, was gut gemeint sein mochte, was ich mir aber später zum Vorwurf gemacht habe.
„Nun Herr Pater, sie haben Ihnen kein Glück gebracht, Ihre Vorträge von Vichy.“
Ich spielte damit auf die Predigten an, die der Pater während der ersten Monate des„Französischen Staates” großzügig den neuen Herren gehalten hatte. Er be- mühte sich, einen wohlbekannten Dreiklang zu ent- wickeln: Arbeit, Familie, Vaterland. Er nahm diesen Scherz nicht übel. Seine Verkleidung als Stationsvor- steher amüsierte ihn. Er kam aus dem Gefängnis. Sein Gesicht bezeugte es: hohle Wangen, gelbe Farbe, fiebri- ger Blick. Man spürte, wie ausgemergelt er war. Er klagte auch schon über Schmerzen im Bein; sie waren so stark, daß er nur auf die Schultern eines Kameraden gestützt gehen konnte.
Einige Tage später war ich mit Ryckere zum Dienst im Duschraum des Reviers. Da zeigte mir dieser einen
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