Brossolette und Jean-Guy Bernard, deren Fehlen am Ende unserer geheimen Kampftätigkeit wir am meisten bedauern mußten. Wie oft habe ich mich später ge- fragt, was sie wohl gesagt oder getan hätten, diese drei, wenn sie unter uns geblieben wären.
Renouvin war ein gutmütiger schiefäugiger Riese, Rit- tersmann aus anderen Zeiten, verloren in einem Jahr- hundert, in dem die Ritterlichkeit immer weniger ver- standen wird. Er hatte zur„Action Frangaise‘” gehört, noch lange nach ihrer Verurteilung durch Rom, und hatte sie erst am Vorabend des Krieges verlassen, als er den Eindruck gewann, daß einige ihrer Mitglieder dem berüchtigten„Frankreich-Deutschland-Komitee” allzu sehr verbunden seien. Die Sehnsucht nach seinen Kampfjahren in der Liga der„Action Frangaise” hatte er behalten, nach der Zeit, in der er als„camelot du roi” seine übermütig-abenteuerlichen Kämpfe bestand. Einem Mann, so frei von Rachsucht und Bosheit, bin ich nie wieder begegnet.
Immer wieder staunte er, daß er in der allerersten Widerstandsbewegung nur Mitglieder der Demokrati- schen Volkspartei gefunden hatte, diese„PD’s“, die er seinerzeit so maßlos angegriffen hatte. Für sie hegte er seitdem eine grobe Zärtlichkeit, die er ebenso auf seine erbittertsten Gegnervon gestern ausgedehnt hätte, wenn er sie bei Combat, Franc-Tireur oder Liberation wieder- gefunden hätte. So hätte er auch Pierre-Etienne Flandin selbst umarmt, mit dem er doch am Arc de Triomphe am Tage nach„München“ den bekannten Zusammen- stoß hatte.
Hier im großen Gefängnissaal, in Fresnes, fanden wir uns nach langen Tagen ängstlicher Spannung wieder. Wir schätzten unsere Lage ab. Eines war mir sofort klar: Renouvin hatte, um— ohne jemanden zu belasten— zu einem Ende zu kommen, eine erdrückende Verant- wortung übernommen. Das war, wie sich später leider
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