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Die Freiheitsstrasse : Dachau 1943 - 1945 / Edmond Michelet. Deutsche Übertragung von Dr. Georg Graf Henckel von Donnersmarck
Entstehung
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trübe gestimmt. Im Gänsemarsch zogen wir, freudlose Gedanken wälzend, wieder in unseren Polizeiraum. Er schien uns weniger einladend als nachmittags. Die Nacht war gekommen. Tastend hatten wir uns auf die Bettstelle gelegt. Aber uns floh der Schlaf. Durch den Luftschacht rechts drangen die Geräusche von drau- ßen zu uns herein.(In Soupirail[Luftschacht] ist Soupir [Seufzer], hätte Victor Hugo gesagt.) Plötzlich klang die reine Kinderstimme irgendeines verspäteten Pfadfinders von der Straße zu uns.

Ich bin der König von Spa-a-anien,

ich liebe die Mädels mit schwarzen A-a-augen... So ein Elend! Das war der Vers, den gestern abend mit innerster Überzeugung mein Jüngster mit seinen vier Jahren gesungen hatte. Darüber hatten wir zu Hause um den Familientisch herzlich gelacht. Gestern: das ist hundert Jahre her. Zu Hause: wie weit scheint doch das Haus entfernt. Gefährliche Macht einer Melodie. Die Musik reißt in Stunden der Verzweiflung die Schleusen für Ströme von Bildern auf, die Augenblicke des Glücks. Sie zeigt uns, eins nach dem anderen, alle die lieben Gesichter. Das ist der Augenblick, wo man Würde und Haltung nicht verlieren darf. Zähne zusammenbeißen, Augen zu, das wird besser sein. Ich bin kaum in einen leichten Schlaf gefallen, als ein anderes Lied zu uns dringt. Es kommt diesmal vom Hof her aus den Einzelzellen, in denen einstmals die mit Gefängnis bestraften Soldaten, die Kandidaten für das Kriegsgericht, eingesperrt waren. Es gibt also Kamera- den in Einzelhaft, die nicht so begünstigt sind wie wir, die wir wenigstens unsere Gedanken austauschen können. Kein Irrtum: man hört es jetzt ganz klar. Der Klang wird stärker. Er füllt unser ganzes Gefängnis. Er beherrscht es. Er rüttelt die auf, die einschlafen wollten. Ave Maris Stella, Dei mater alma....

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