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Die Freiheitsstrasse : Dachau 1943 - 1945 / Edmond Michelet. Deutsche Übertragung von Dr. Georg Graf Henckel von Donnersmarck
Entstehung
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sagten, erschien mir als das Symbol des Vichy-Konfor- mismus, infolgedessen des absoluten Gegensatzes zu all dem, weswegen wir uns hier befanden.

Tatsächlich lagen die Dinge weniger einfach, als sie uns damals erscheinen konnten. Wie im Evangelium ver- schiedene Gruppen von Arbeitern sich beim Hausvater zur Arbeit im Weinberg melden, so muß anerkannt werden, daß es nacheinander verschiedene Schübe von Freiwilligen gegeben hat, die ihre Leistung und ihre Opferbereitschaft dem Unternehmen der Widerstands- arbeiter der ersten Stunde zubrachten. So, wie die Dinge lagen, konnte man damals Anfang 1943 nicht ohne Ungerechtigkeit von Arbeitern der elften Stunde spre- chen.

Der letzte dieser Siebener-Gruppe war Dissoubray, der mir am meisten besorgt erschien. Er hatte Gründe dazu, denn als aktiver Agent des Alliance-Netzes war er als Träger von Dokumenten gefaßt worden, die keinerlei Zweifel über ihren Ursprung zuließen. Aus der Marche wie seine drei Komplicen, war er von Beruf Händler in Butter, Eiern und Käse im Bezirk Saint Sebastien. Er wäre rascher und sicherer zu Geld gekommen, wenn er während der Kriegszeit seine Tätigkeit auf seine beruf- liche Arbeit beschränkt hätte: Gott sei Dank, ist es nicht das Geldinteresse allein, das die Welt regiert.

Die gegenseitigen Vorstellungen waren kaum zu Ende, als unser friedlicher Wächter, ein alter Landsturm- mann der Wehrmacht, uns das Frühstück brachte.

Die Bewegungen des Morgens hatten uns alle hungrig gemacht. Wir taten dem Mahl, das uns recht anständig vorkam, alle Ehre an. Mit bester weltgewandter Höf- lichkeit wollten Chadirat und Dayras, die einige Brok- ken Deutsch konnten, unserem Kerkerhaushofmeister eine Bemerkung machen.

Es war einer von den Deutschen, wie alle Franzosen

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