Berater des Reichspräsidenten 47
B ‚habe, die man so oft bei geborenen Politikern findet. Natürlich Akt lebte in ihm jener Ehrgeiz, etwas Großes zu vollbringen, ohneden en keine bedeutende politische Tat gelingt. Aber sicher ist doch, daß en in diesem Ehrgeiz sehr viel mehr moralisches Pflichtgefühl als Be persönliches Machtstreben steckte. Das macht die Stärke, aber u auch die Schwäche seines Wesens aus. Die Stärke, weil er von je- 7 dem sofort als höchst vertrauenswürdige Persönlichkeit empfun-
5 den wurde: gerade, tapfer, aufrecht, männlich in jedem Zuge, von °"bestechender Klarheit und Einfachheit seiner Gedankengänge
a und Prägungen, mit verblüffender Sicherheit des konkreten Sach- h wissens. Ich selbst habe wenige Menschen kennengelernt, die so Ihre| sindrucksvoll und doch so schlicht zu reden und eben dadurch ten| zuüberzeugen wußten-überauslebhaftund doch stets gebändigt. Dr ‚ Immer hatte man die Empfindung, daß es ihm nur um die Sache = ‚ging, die er verfocht, nicht um die eigene Person. Das machte ihn
menschlich sympathisch; es war aber seine Gefahr, daß er das und Schwergewicht sachlicher Argumenteim politischen Kampfüber- 18% schätzte.» Wie er selbst«, schreibt Litt,»ein klar denkender, recht- tel. ich urteilender, geradlinig wollender Mensch war, der wenig sich oder nichts an Dunklem, Unerlöstem, Hintergründigem in sich a trug, so nahm er auch von seinen Mitmenschen an, daß, soweit nicht Selbstsucht oder böser Wille im Wege stehe, es auch bei | ihnen nur der verständigen Aufklärung und der wohlmeinenden Aa sittlichen Belehrung bedürfe, um sie von etwaigen Irrtümern zu- Tel rückzubringen und auf den rechten Weg zu führen... Die un- 2 heimliche Verschlingung von Gut und Böse, die verführerische lt geistigerMächte, dieMachtder uneingestan- denen Vorurteile und der geheimen Begehrungen- dieses ganze Zwielicht, in dem das seelische Leben so vieler sich abspielt: alles dieshatteimGrundein seinem Bilde vom Menschen keinen Platz.«
In der Tat besaß Goerdeler in erstaunlich hohem Maße den Glauben des humanitären Rationalisten an die Macht der Ver-
2\nunft, gerade auch der sittlichen Vernunft. Er erinnert darin, wie hit in vielen Zügen(sogar in den Gesichtszügen!) an sein großes Vor- int bild, den Freiherrn vom Stein. Schreibfreudig wie dieser, Verfas- ws ser unzähliger Denkschriften und Aufsätze über Politik, Verwal- ihm tung und Wirtschaft, hat er mit ihm auch gemeinsam, daß sein jtte. Schrifttum allein den starken, lebendigen Eindruck der Persönlich-
hen keit nicht ganz verständlich macht. Es wirkt, ähnlich wie die gez TE Denkschriften Steins, oft etwas altfränkisch-lehrhaft mit seinem der unbedingten Glauben an die Macht»wirtschaftlicher Natur-
| gesetze« und seinen puritanischen Moralgrundsätzen. In den letz- ten, im Gefängnis geschriebenen und für die Nachwelt bestimm-


