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krieges in Bausch und Bogen in ihre Schuld einzubeziehen. Generale der nationalsozialistischen Wehrmacht beklagen in ihren Kriegserinnerungen, daß sie den Krieg verloren haben. Nicht einer von ihnen beklagt es, daß sie den Krieg begonnen haben. Sie brüsten sich heute noch, daß die Nazis den Krieg gewonnen hätten, hätte nur Hitler auf sie gehört.
Hitler wird heute von den Nazis als ein Mann des Friedens hingestellt; den Krieg wollten die Amerikaner, die Engländer, Franzosen und Russen. Sie sollen schuld am Kriege sein und nicht die Nazis. Zur Verbreitung dieser Lüge ist jetzt ein„Ausschuß zur Erforschung der Kriegsschuld” gebildet worden, der sich in Versammlungen für die Rehabilitierung der Nazis und der Diffa- mierung der Nazigegner aller Länder einsetzt. Sie bezeichnen den Wider- stand gegen den Nazismus als Landesverrat. Sie tüfteln an den Zahlen über die Toten des Naziterrors herum, leugnen die Greueltaten oder bezeichnen sie als übertrieben.
Sie stellen Hitler als Erfinder des Wirtschaftswunders dar; die Nazis hätten die Vollbeschäftigung erreicht. Sie hätten die Autobahnen gebaut; dem Ar- beiter, der unter der Demokratie arbeitlos war und hungerte, Arbeit und Brot gegeben. Unter den Nazis sei Deutschland stark und mächtig gewesen. So wird systematisch die grauenhafte Vergangenheit zugedeckt.
Es ist nicht zu übersehen, daß diese durch und durch verlogene Propaganda bei uns an Boden gewinnt. Nicht nur bei der Generation, die den Nazismus noch bewußt erlebt hat, sondern auch bei der Jugend. Wie dumm ist das so oft gebrauchte Wort von den„Nazis, die sowieso bald aussterben“.
Damit können wir unserer Jugend, die durch den nazistischen Ungeist ver- giftet wird, nicht helfen. Denken wir doch nur an die kriegsverherrlichenden Filme, an die„frisch-fröhliche” Kriegsliteratur, den Hurra-Kitsch der„Landser- Hefte“. Da wird Brutalität bis in die letzte Einzelheit ausgewälzt, der deutsche Soldat zum Berserker, Maulhelden und Totschläger gemacht. Die Engländer sind„schlechte Soldaten”, die Russen„rote Horden”, die Italiener„Spag- hettifresser”, die Amerikaner haben immer„die Hosen voll” und so weiter, Heft um Heft. Und von diesen„Landser-Heften” erscheinen jährlich zehn Millionen Exemplare: Jahr für Jahr zehn Millionen Hefte.
Wohl bemühen sich eine große Zahl der in der Bundesrepublik bestehenden Jugendorganisationen, der Schlammflut der nazistischen Verhetzung einen Damm entgegenzusetzen. Wir alle kennen die ernsthaften Bemühungen dieser Organisationen, unsere Jugend mit den Problemen der Vergangenheit bekannt zu machen, um sich mit ihnen auseinander zu setzen.
Demokratische Proklamationen, Bekenntnisse zu Schuld und Sühne genügen aber nicht. Entscheidend ist doch die Erkenntnis, wie es war und wie es dazu kam. Ist es nicht bedenklich, wenn zu Gedenkfeiern in Bergen-Belsen zirka 3000 junge Menschen aus dem Bundesgebiet kommen, während zur gleichen
- Zeit an Kundgebungen, die gegen Polen und die Tschechoslowakei gerichtet
sind, 360000 Menschen teilnehmen. Schon einmal wurde für Straßburg und Raraig marschiert. Dieser Marsch endete in Schützengräben und Bomben- elleri.
Unser Bemühen, der Jugend die Geschichte nahe zu bringen, muß zu einer echten Auseinandersetzung mit der Vergangenheit werden. Nur die Auf-
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