Oormwort
Die alten„Lagerhasen” des Konzentrationslagers Sachsenhau- sen aller politischen und weltanschaulichen Schattierungen erinnern sich gern und dankbar ihres langjährigen„L. A. I.“, des ersten Lagerältesten Harry Naujoks.
Er fragte nicht nach Partei- oder Gebetbuch, Hautfarbe oder rassischer Herkunft seiner Leidensgefährten, sondern fühlte sich allen Mühseligen und Beladenen gleich verpflichtet. Seine schwie-
rige und dornenreiche Mittlerrolle zwischen der von sadistischer
Quäl- und Mordlust getriebenen SS-Lagerführung und SS-Wach- mannschaft und den buntgewürfelten„Häftlingshaufen” hat ihn seelisch schwer belastet. Trotz Not und Todesgefahr selzte er sich mannhaft und mutig für alle Häftlinge ein.
Die um ihres Glaubens oder ihrer Rasse verfolgten Häftlinge konnten sich keinen besseren Fürsprecher und Verteidiger ihrer Lagerbelange wünschen als den„andersgläubigen” und„roten"” Harry Naujoks.
Er war nie ein Duckmäuser, Leisetreter oder„Radfahrer“ er kämpfte stets für Wahrheit, Frieden und Gerechtigkeit.
Möge das, was er uns Überlebenden der Todesmühle Sachsen- hausen auf unserem letztjährigen Bundestreffen in Essen- klar und offenherzig wie stets- zu sagen halte, ein weithin hallendes Echo finden.
Franz Ballhorn


