darum geht, ihre Schuld auf andere abzuwälzen. Es geht ihr auch nicht nur um die Belastung dieser oder jener Person oder dieser und jener Gruppe. Hier wird klar, daß es sich um eine zentral gelenkte Aktion zur Diffamierung des Widerstandes gegen Nazismus überhaupt und um eine Leugnung der nationalsozialistischen Untaten handelt. Wir sollten mehr als bisher ent- schieden und konsequent diesen Diffamierungen entgegentreten. Unser Hin- weis an den bayrischen Justizminister zu Bugdalles Verhalten in der Gerichts- verhandlung wurde mit einer nichtssagenden, ja anfechtbaren Erklärung ab- getan. Über die Behauptung des Herrn Harpprecht gab es einen Briefwechsel mit dem Westdeutschen Rundfunk, der ergab, daß der Beweis für die Be- hauptung nicht angetreten werden konnte. Hieran zeigt sich, wie notwendig es ist, solche Fragen der Öffentlichkeit darzulegen.
Diese Beispiele machen deutlich, welchen Einfluß die Nazis heute auf die Erringung von Positionen, auf die Flucht der Mörder, auf ihre Verteidigung und auf die Diffomierung des Widerstandes haben. Darüber hinaus ver- breitern sie ihren Einfluß noch durch die Ausnutzung der ihnen gegebenen legalen-Möglichkeiten. So werden die Treffen der Waffen-SS durch die Teil- nahme von Vertretern demokratischer Parteien salonfähig gemacht. Es geht uns bei der Stellungnahme zu dieser Haltung nicht um die Auseinanderset- zung über Parteifragen. Wir haben in allen Parteien Frauen und Männer, die bereit sind, dem Anwachsen des nationalsozialistischen Einflusses entgegen- zutreten. Der Kampf gegen den Nazismus ist keine Frage von rechts oder links. Die SS ist die Organisation Himmlers, Eichmanns und Eickes. Mit ihr gibt es nichts Gemeinsames. Hier muß Klarheit geschaffen werden, weil jedes Nachgeben von der politischen Unterwelt dazu ausgenutzt wird zu dokumen- tieren: wir sind noch da, wir sind auch heute noch ein Faktor, wir sind ja anerkannt.
Wir dürfen nicht müde werden, unsere Besorgnis über diese Entwicklung zum Ausdruck zu bringen und entschiedene Maßnahmen zu fordern, die zur Entfernung aller Mörder und Totschläger führen müssen. Wo sie wirken, sind Recht und Sicherheit ernsthaft bedroht. Deshalb wird die Lösung dieses Problems zu einem dringlichen Anliegen unseres ganzen Volkes.
I Es sollte unser Bestreben sein, von allen Verbänden und Organisationen Stellungnahmen zum Problem des Nationalsozialismus und Antisemitismus zu erwirken. Ich denke dabei an die Standesorganisationen der Ärzte, Juri- sten, Publizisten, an die Parteien, Gewerkschaften, Wirtschaftsverbände usw.
Wie schnell und wie leichtfertig wird in unserem Lande für einen Nazi Stellung genommen, wenn er zur Verantwortung gezogen werden soll. Sicher- lich sind nicht alle diese Stellungnahmen von Nazis gelenkt worden, obwohl auch hier ihre Hand zu spüren ist. Die Familie, die Freunde, die Berufskolle- ‚gen kennen die Unmenschen nur aus der privaten Sphäre. Sie mögen sie als gute Fachleute kennen. Wir wissen aber, wie sie ihre Fachkenntnisse zu den ungeheuerlichsten Verbrechen benutzten. So war z.B. Bugdalle bei seinen Nachbarn als hilfsbereiter Mensch bekannt. Wir kennen ihn als den wohl brutalsten Meuchelmörder aus der großen Zahl der SS-Verbrecher. Der „Eiserne Gustav” weinte bitterlich, als er seinem Sohn eine Ohrfeige gab.
Wir aber kennen ihn als einen brutalen Schläger. Auch der Kommandant von Auschwitz und frühere Lagerführer von Sachsenhausen, der Millionen von


