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Nationalsozialismus und Protestantismus zu irgendeinem fruchtbaren Ronglomerat vermengen will- wird auch noch einen Platz in einer heutigen evangelisch- theologischen Fachschaft finden; wer Nationalsozialismus und Protestantismus als zwei unversöhnliche Rampfgegner nimmt, von denen einer unterliegen muß gibt es eine evangelisch- theologische Fachschaft an den deutschen Universitäten, in der ein solcher Theologiestudent frei reden und demgemäß handeln könnte?
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Meine protestantischen Brüder und Kommilitonen, der Weg, der mit der Lehr- und Erziehungsarbeit der heutigen evangelisch- theologischen Fachschaften beschritten wird, führt in die Wüste, wo es kein Brot gibt und wo man sich auch nicht auf die alleinige Suche des Glaubens nach dem Lebensbrot macht. Dieser Weg führt um so schneller in diese Wüste, weil in den meisten Fällen aus unserer Lehrerschaft nicht Streiter Gottes, sondern allerhand andere Streiter mitziehen. Wie bald wird man fachschaftsweise, in Einmütigkeit des Geistes, Professoren und Studenten, Sehnsucht nach den Fleischtöpfen Ägyptens bekommen und offen zur Rückkehr zum Heidentum und zu seinem Dienst auffordern?
Es gibt für uns in dieser Situation, die für alle Kommilitonen in Deutschland eine gleichbedrängende und in der Bedrängnis ständig wachsende ist, keine menschlichen Sturmläufe oder menschliche Unterhandlung. Es geht uns nicht um diese oder jene äußerlichkeit. Es geht auch hier um den reinen Glauben und die reine Lehre, die beide durch das jetzige Schulungssystem der evangelisch- theologischen Fachschaft, gegen die die offizielle Rirchenleitung noch keinen Einspruch erhoben hat, und durch hier mitarbeitende Lehrer jungen Theologiestudenten frühzeitig verwässert und verfälscht werden. Weil es um diesen innersten Rampf geht, der zwar, solange die Welt besteht, sein wird, der aber nicht von unseren Lehrern und studentischen Erziehern vorher systematisch auf eine weltliche Rampfposition festgelegt werden sollte, - darum gibt es für uns nur eine, nicht menschliche, Silfe: in fleißigem Studium, in wachsendem Vertrautwerden mit der Heiligen Schrift, in nüchternem, aber reichen Gebet ,, der Gerechtigkeit, der Gottseligkeit, dem Glauben, der Liebe, der Geduld, der Sanftmut" nachzujagen. Aber, liebe Kommilitonen, zu jagen, nicht zu schleichen.
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