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Herr, wohin sollen wir gehen? : ein Wort eines evangelischen Theologiestudenten an seine Kommilitonen / Max Lackmann
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Wortes zu stehen. Gott in unserer Zeit verlangt, daß wir da­mit Ernst machen; darum dürfen wir keine Rücksicht auf Men schen nehmen, sei es wer es sei! Aber vergessen wir dabei un­sere Bescheidenheit nicht, die Furcht des Herren! Bei aller Ent­schiedenheit, vergessen wir sie nicht!

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Wo unsere wahrhaftigen, treuen Lehrer stehen, werden wir also nicht nur an ihrer Lehre, an ihrem Mut ,, wunderliche Leute" zu sein, erkennen, sondern auch an ihrer Bescheidenheit und Genügsamkeit, bei aller Entschiedenheit ihrer Lehre, schlichte Gottesmenschen zu sein, die nicht nach Ehren und Reichtümern der Welt jagen, vielmehr ihren verborgenen Reichtum im Himmel gesammelt haben. Von solchen Männern, liebe Kommi­litonen, können wir lernen. Und von solchen zu lernen, tut not.

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Die Einrichtung der Fachschafts- Arbeitsgemeinschaften ist noch verhältnismäßig jung, so daß hier noch keine abschließenden Erfahrungen und Ergebnisse vorgetragen und kritisiert werden können.

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Eins aber ist doch bereits heute als feststehendes Resultat der bisherigen Arbeitsweise zu sagen: die Eingliederung einer evan­gelisch- theologischen Fachschaft in den Arbeitsplan und die Er­ziehungsmethode der übrigen Fachschaften verträgt sich nicht mit der Ausschließlichkeit und Radikalität einer theologischen Frage­stellung, solange aller Schulungsarbeit dieser evangelisch- theolo gischen Zwangsorganisation das nationalsozialistische Führer­und Erziehungsprinzip übergeordnet ist, das die ungehemmte und mit eigener Kraft durchschlagende Kritik des Wortes Gottes vorzeitig abfängt und in angemessene" Bahnen lenkt. Auf diese Weise lernen die Theologiestudenten nicht, wie man sich mit Moeller van den Bruck oder Spengler auseinandersetzt, sondern wie man sich mit ihnen zusammensetzt und schließlich still ver­gnügt eine theologisch verbrämte Staats- und Volksidee von Moeller van den Bruck oder Böhm mit nach Hause nimmt, zumal die Leiter der Arbeitsgemeinschaften oft bewährte SA.­Männer, aber leider keine gründlich geschulten Theologen sind. Es ist pädagogisch abwegig entspricht aber natürlich durch­aus der gegenwärtig beliebten ,, theologischen" Fragestellung wenn man den lernenden Studenten der Theologie so früh und so gewichtig, wie es geschieht, unter den Druck einer Auseinan­dersetzung mit Spengler oder dem Deutschtum der Reformation

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