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Herr, wohin sollen wir gehen? : ein Wort eines evangelischen Theologiestudenten an seine Kommilitonen / Max Lackmann
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liche Folge seiner wahrhaftigen Beschäftigung mit Gottes Wort, daß er ganz in unserer Zeit lebt, allerdings nie und nim­mer, daß er darin aufgeht.

Die andere Art von Lehrern, von denen oben die Rede sein mußte, um die nackte Wirklichkeit unserer Lage und unserer Ent­scheidung darzustellen-Gott sei Dank, daß sie nicht in der über­zahl sind sind für uns beschämendes Zeugnis eines ungeist­lichen Lehramtes, wie es so manchem beschämenden Zeugnis eines ungeistlichen Predigtamtes in unserer gegenwärtigen evangeli­schen Kirche entspricht. Wir könnten hierzu auch ein Wort als deutsche Studenten sagen, die etwas von einer akademischen Ehre und Gewissenhaftigkeit wissen. Aber für uns als Theo­logiestudenten steht naturgemäß die geistliche Verantwortung unserer Lehrer im Vordergrund. Es ist oft schwer, dieser Art von gegenwärtigen Lehrern in der Theorie eine Jrrlehre nach­zuweisen; sie bewegen sich oft in orthodoxen Formeln und Wen­dungen. Wie aber die Theorie gemeint ist und schließlich nichts weiter als eine nach Belieben auswechselbare Meinung" ist das offenbart die praktische Entscheidung und die Haltung in der theologischen und kirchenpolitischen Auseinandersetzung. Es ist für ehrliche, mit offenem Herzen für ein echtes theologisches Studium in die Kollegs und Seminare kommende Studenten alles andere als eine Freude des Kampfes, der geistigen Ausein­andersetzung ,,, die Seuche der Fragen und Wortkriege, diese Schulgezänke" mitanzuhören, die dann versteckt oder offen bei Lehrern und Studenten all die menschlichen Schwächen wie Neid und bösen Argwohn nach sich ziehen. Auf solche Weise kön­nen junge Theologiestudenten nicht in der Lehre Christi unter­richtet werden. Meine Brüder und Kommilitonen! Wir sollen gefaßt und ruhig, wenn wir solche Lehrer hören, den Rat des Apostels Paulus an Timotheus in solcher Situation befolgen: Tu dich von solchen!"( 1. Tim. 6, 5). Wo Menschen Ehre, Ein­fluß und Stellung suchen mit ihrer Lehre von der Gottseligkeit, da können wir sie nicht als unsere Lehrer und Führer anerkennen; denn wir müssen annehmen und es wird sich sehr wohl oft ,, erweisen" lassen- daß sie vom Glauben irregegan­gen" sind, und wenn sie gegen alle Philosophie wettern und Christus, den Gekreuzigten, predigen! Es ist nicht die Zeit, mit Worten zu spielen, sondern in der Kraft und Reinheit dieses

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Theol . Existenz, Seft II

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