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Herr, wohin sollen wir gehen? : ein Wort eines evangelischen Theologiestudenten an seine Kommilitonen / Max Lackmann
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ganzen Gespräches nicht vergessen können, daß du als ein Hören­der, als ein Angerufener, als ein Sprachrohr mit ihm sprichst nicht als ein Redner in eigenen Sachen, als ein Aufrufender", als einer, der Sprachrohr und Stimme zugleich ist.

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Solches Hingekehrtsein und Sich- Hingekehrtwissen würde dich zu einem wunderlichen Menschen machen, weil du irgendwie Gottes Wunder in der Heiligen Schrift begegnet bist. Und nur als solcher, meine ich, darfst du heute an allen Orten wan­deln. Insoweit dürfte also jene Bekehrung" fordernde Ge­meinde Recht gehabt haben.

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Aber nun wollen wir es ebenso ernst und nachdrücklich sagen, daß solches Hingekehrtsein des Theologiestudenten nicht das zu sein braucht( im Sinne der Möglichkeit, nicht der Forderung gesprochen!), was wir im Sinne des Damaskus- Ereignisses an Paulus unter Bekehrung" heutzutage verstehen und was D. Martin Luther in seiner Umschreibung des ersten Gebotes ge­nannt hat: Gott über alle Dinge fürchten, lieben und ver­trauen." Und nun würde ich dem offenherzigen Pfarrer Recht geben: hüten wir uns davor, unseren Kameraden, wo es sei, als Paulus- und Damaskus- Theologen gegenüber" zu treten. Ich weiß, daß ich nicht zuviel sage, wenn ich betone: junge Theologie­studenten sind in der Regel noch nicht nach Damaskus gekommen, wie es von Paulus gesagt werden muß. Es ist eine ganz große, hier und da schon offensichtliche Gefahr, daß die Vot unserer Kirche und der Ansturm der neuen Weltanschauung nicht nur Ge­meinden und Pfarrer, sondern auch schon uns Theologiestudenten dazu verführt, mehr sein zu wollen als wir geistlich sind; Not zu haben, wo wahrhaft von dem Heiligen her noch keine Not ist; Bekenntnis abzulegen und hier und da zu revoltieren, wo noch keine wahre Erkenntnis des törichten Herzens ist; heilig zu sein und zu wandeln, wo man in Wahrheit noch nichts vom Unheilig­sein und vom unheiligen Wandel weiß. Es ist nicht die Erhaben­heit oder niedergeschlagenheit einer stillen Stunde, auch nicht die hier oder dort einmal erlittene Maßregelung, die berechtigt, als Prophet und Märtyrer gelten zu wollen. Weil es allein das echte Schattenbild des Kreuztragens und Kreuzganges Jesu Christi ist, das uns zu echten und vollkommenen Bekehrten macht

darum sollen wir uns doch recht oft, gerade in unseren