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Herr, wohin sollen wir gehen? : ein Wort eines evangelischen Theologiestudenten an seine Kommilitonen / Max Lackmann
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schaft. Wir müssen exakte, nüchterne, gründliche Fachwissenschaft treiben; nicht um der kalten Wissenschaft" willen, sondern um des ganz praktischen, lebensnahen" Wissens willen: was es heißt, heute im Dritten Reich die ganze Hoffnung auf die Gnade setzen. Es ist eine auf die Dauer untragbare, jedes Theologiestudium entstellende und verwässernde Tatsache, daß der Theologie­student von heute nicht die Gelegenheit und innerliche Freiheit hat, oft auch gar nicht beansprucht, nüchterner, fleißiger Stu­dent seiner Theologie zu sein. Man ruft ihm zu, er solle vor allen Dingen ,, deutscher Student" sein- als ob damit alles über ihn gesagt sei. Selbstverständlich sind wir deutsche Studenten, aber das eben als Studenten der evangelischen Theologie. Nicht als Studenten schlechthin. Wir sind sogar erst in dieser über­ordnung des Rommandos Christi über alle anderen Kommandos wahrhaftige deutsche Studenten! Allerdings wahrhaftige deutsche Studenten des Wortes Gottes, die sich zumindest! ,, nicht gleichwie vormals stellen" sollen, da sie in Unwissen­heit nach den Lüsten lebten". Wer nicht weiß und ehrlich aus­spricht, daß der deutsche Mensch, der nationalsozialistische Stu­dent mit seiner ganzen Lebensauffassung von der Hoffnung und der Gnade korrigiert wird, unter Umständen sogar, so wie er ist, radikal verneint wird der mag sich deutscher Student und SA.- Mann nennen, die in ihrem Bereich und Denken ihren ordentlichen Platz und ihre eigene Ehre haben; eins aber soll er sich nicht nennen: einen ehrlichen, nüchternen Studenten und Diener des Evangeliums von Christus, dem Gekreuzigten. Wir sind jämmerliche, wortbrüchige Gestalten in der Geschichte unseres Volkes wie unserer Kirche die sich heute mit so gro­sem Pathos auf das Erbe der Reformation beruft wenn wir uns, unsere SA.- Kameraden und alle unsere jungen Volksgenos­sen nicht ganz nüchtern unter den Anruf Gottes stellen. Wenn heute noch so viele Rommilitonen nichts von dem Kampf spü­ren, der ihnen als Theologiestudenten mit dem SA.- Mann des nationalsozialistischen Staates aufgegeben ist soweit dieser Träger und Verkörperer der nationalsozialistischen Weltan­schauung sein will, d. i. mehr als Soldat im Sinne einer wehr­politischen Dienstpflicht so liegt es ganz einfach daran, daß sie weder wissen, was die völkisch- rassische Weltbetrachtung ver­langt, noch wissen, was das erste Gebot und seine Umschreibung,

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