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Herr, wohin sollen wir gehen? : ein Wort eines evangelischen Theologiestudenten an seine Kommilitonen / Max Lackmann
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Wie wir mit solchem Auftrag wandeln sollen.

Wenn wir als Theologiestudenten im Dritten Reich uns darin einig wären, was es um das Wort" sei, so könnte unsere Be­sinnung eigentlich mit dem vorigen Abschnitt schließen. Ob wir in einer Fachschaft oder in einem Arbeitslager stünden wüßten, was wir zu sagen und wie wir uns zu gehaben hätten.

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wir

Aber das Wort Gottes aus der Heiligen Schrift steht nicht hoch im Kurs zu unserer Zeit. Auch nicht bei allen Theologie­studenten. Es gibt zuviel andere Worte heute, die unsere Auf­merksamkeit und Hingabe erfordern und unseren Wandel ge­stalten. Es herrscht sogar an allen Universitäten die einhellige Erziehungstendenz des Staates, den Wandel des Theologie­studenten von den gleichen ethischen Voraussetzungen, die die Kommilitonen der anderen Fakultäten bestimmen sollen, her fest­zulegen. Der Dienst und die Schulung des SA.- Mannes ist keine lediglich körperliche, wehrsportliche Erziehungsarbeit mehr, sondern verlangt, daß sich jeder Student, also auch der Student der evangelischen Theologie von der nationalsozialistischen Weltanschauung schulen und leiten lasse.

Unsere Kommilitonen von der katholisch- theologischen Fakultät sind von dieser Schulung befreit; man darf fragen: ist das ein Anspruch der katholi schen Kirche, über den wir als Protestanten" mit der vielgerühmten Frei­heit des Glaubens" erhaben sein können? Ist unser reformatorischer Glaube wirklich so frei?

Wer die nationalsozialistische Schulungsarbeit oberflächlicher und harmloser auffaßt, wird der mehrfach eindeutig ausgespro­chenen Intention der Führer unseres Staates in dieser Hinsicht nicht gerecht. Dem übergeordneten Gesichtspunkt der völkisch­politischen Jdee hat sich auch der Student der evangelischen Theologie heute an den deutschen Universitäten unterzuordnen; in anderem Sinne ist seine Mitarbeit nicht möglich.

Wir haben diesem Anspruch gegenüber, der an die letzten Grundlagen unserer Lebensgestaltung allein durch Gottes Wort