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Herr, wohin sollen wir gehen? : ein Wort eines evangelischen Theologiestudenten an seine Kommilitonen / Max Lackmann
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den und bekennenden Gemeinde geschieht- sie kann ins Gefängnis geworfen werden; sie kann gestäubt oder gesteinigt werden; sie kann auf wunderbare Weise vom Herrn errettet und geführt werden, wie uns die Geschichten der Propheten und Apostel in der Heiligen Schrift lehren;- was darauf mit den angeredeten Volksgenossen geschieht- es kann ihnen durchs Herz gehen; sie können die Christen als Wundermenschen und Sensation bestaunen; sie können falsch Zeugnis wider die Christen reden; sie können das Wort gern annehmen, sich taufen lassen und an einem Tage bei dreitausend Seelen hinzugetan werden" die Folgen der Verkündigung auf beiden Seiten sind unter allen Umständen Gottes Sache. Er tut hinzu täglich, die da selig werden zu der Gemeinde", nicht die Kraft der Gemeinden, die einen Volks- Missions- Feldzug im Dritten Reich unternehmen. Heilige Menschen Gottes müssen da sein, die es nicht lassen können, zu reden, was sie gehört haben mit der Frohbotschaft an die Welt. Das genügt. Dann hat die Kirche die Frage der Geschichte an sie verstanden, wie sie ihr heute gestellt ist. Nur in dieser Korrelation des Gehorsams, der selbst­losen Hingabe an ihre einzige Lebensmacht Jesus Christus zu der Totalität und Ausschließlichkeit beanspruchenden Lebens­macht des nationalsozialistischen Staates treibt sie volksnahe, konkrete Verkündigung im Deutschland des Jahres 1934. Was dabei Gutes oder Schlechtes herauskommt, weiß allein der, der das Evangelium und seine Gemeinde in das deutsche Volk gesetzt hat. Wenn die Gemeinde nur weiß, daß sie nicht zu schweigen oder zu unterhandeln, sondern ihren Auftrag auszurichten hat.

Und nun frage ich meine Brüder und Kommilitonen, die jun­gen Theologen an den deutschen Universitäten: Wie ist das mit Euch? Schweigt ihr oder unterhandelt ihr oder richtet ihr euren Auftrag als Glieder der Gemeinde Christi aus? Wie ist das mit Euch: Habt ihr das Schwert des Geistes, d. i. Gottes Wort im Munde und die Liebe Gottes , d. i. Das Gott seinen eingeborenen Sohn gesandt hat in die Welt, daß wir durch ihn leben sollen"( I. Joh. 4, 9) in eurem Herzen? Wie ist das mit Euch: seid ihr der Leib Christi und Glieder daran oder seid ihr Glieder der Welt, die von Zeitgefühlen und Schlag­worten, von der Gemeinde der Ungläubigen und An- sich- selbst­Glaubenden bestimmt werden? Wie ist das mit Euch: ist