sung eingeleitet wurde. Ich war nicht der einzige, der das Lager verließ. Auch andere mußten zur Wehrmacht . Nach Erledigung der üblichen Formalitäten, ärztlicher Untersuchung, Bad, Umkleidung auf der Effektenkammer in die Zivilkleider eines ermordeten Juden, unterschrieb ich in der politische Abteilung den berühmten Vertrag, der jeden entlassenen Häftling verpflichtete, tiefstes Stillschweigen zu wahren über alle Einrichtungen des Lagers, nichts zu sagen über irgendwelche Vorfälle, gleich welcher Art, und anzuerkennen, daß bei der Abgabe dieser Erklärung keinerlei Zwang auf ihn ausgeübt worden sei.
Man händigte mir einen Entlassungsschein und den Stellungsbefehl aus. Durch diesen erfuhr ich, daß ich mich binnen 24 Stunden bei einer Artillerie- Ersatz- und Ausbildungsabteilung in Jüterbog , Altes Lager, zu melden habe. Meine Hoffnung auf ein Wiedersehen mit meinen Angehörigen war zunichte. Der Lagerführer, dem wir nach Erledigung dieser Dinge noch vorgeführt wurden, empfahl uns als tapfere Soldaten für den Führer zu sterben, salutierte und ging.
Ein Blockführer begleitete uns durch den Kommandanturbereich, durch das große Außentor und bis zum äußersten Posten an der Straße nach Oranienburg . Ich war frei.
Ein Singen lag in der Luft, ein seltsames Tönen, als begleiteten mich die Heerscharen der Engel auf meinem Gang in das Leben. Alle Büsche und Bäume, obgleich noch schmucklos und starr von der Kälte des Winters, schienen zu neuem Blühen bereit. Hinter mir lag das Lager. In seiner kalten Versteinerung lag es da, umwuchert vom tödlichen Gespinst grauer Drähte, umzingelt von Mauern und Türmen, mit denen dieses zerbrechliche Gebilde Mensch niedergehalten werden mußte, um nicht den Gang eines Uhrwerks zu stören, an dessen Kette das Gewicht einer unermeßlichen Schuld von Sekunde zu Sekunde tiefer sank.
Noch klirrten die Hämmer in den Werkstätten der Macht, noch rasselten die Transmissionen über den Drehbänken, zwischen deren Spindeln und Backen die letzten Granaten sich
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