Dieses Buch wurde nicht geschrieben, um Anteilnahme, Bewunderung oder Mitleid für seinen Verfasser zu erwecken. Es soll auch keine flammende Anklage sein; dazu gebricht es mir an Leidenschaftlichkeit und jenem Haß, der Frauen und Jünglingen eigen. Ich will mir keine politische Märtyrerkrone schreiben; ich werde mich bemühen, meinen Bericht objektiv und frei von Vorurteilen zu halten und bitte nur, mir meine Zurückhaltung nicht als Schwäche auszulegen. In den fünf Jahren meiner Lagerhaft stand ich der Hölle so nahe wie dem Himmel, daß es mir manchmal schien, der dazwischenliegende Erdenweg sei zu schmal, um ihn ungefährdet begehen zu können. Vielleicht war es eine Art traumwandlerisches Schreiten, das mich zwischen Inferno und Jenseits und über die Illusion eines von Tag zu Tag fragwürdiger werdenden Zieles hinaus einen Weg zur wirklichen Freiheit finden ließ. Vielleicht war es mein starker Glaube an die Unbeirrbarkeit und Gerechtigkeit jener Macht, die auch den Gestirnen ihre Bahnen weist und die wir mit vielerlei Namen bezeichnen; vielleicht war es auch nur der Zufall. Denn Tausende, die kein geringeres Recht auf Leben besaßen als ich, mußten zugrunde gehen auf diesem furchtbaren Pfad. Aber was immer es war, in der Tatsache meiner Rettung erkenne ich die Verpflichtung zum Kampf gegen die Wiederkehr eines Geistes, der so Beispielloses erfand und vollbrachte.
Druckschrift
Nacht und Nebel : Aufzeichnung aus fünf Jahren Schutzhaft / Arnold Weiss-Rüthel
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