Man darf es nicht vergessen, denn es darf sich nicht wiederholen. Millionen Menschen wurden in Hitlers Konzentrationslagern festgehalten. Millionen wurden gepeinigt. Millionen wurden getötet. Die Flut der heutigen Literatur über dieses grausige Thema ist verständlich. Die von dem Schriftsteller Weiß- Rüthel unter dem Titel ,, Nacht und Nebel" in unserem Verlag erscheinenden Aufzeichnungen aus fünf Jahren sogenannter Schutzhaft schildern mit der sachlichen Urteilskraft des erfahrenen Journalisten und dem beteiligten Gefühl des Dabeigewesenen die schon mehr höllischen als menschlichen Bezirke der Qualen, ihren Alltag, wie den wechselvollen Lauf der Zeit, in dem sich der fortschreitende Zusammenbruch Deutschlands spiegelt. Viele von uns sind geneigt, sich abzuwenden von dem nun enthüllten wahren Gesicht der Barbaren in Deutschland . Sie wollen die Ereignisse in den Konzentrationslagern nicht für wahr halten. Sie scheuen den Bericht von einer Wanderung durch eine Hölle, die, nicht von der Phantasie eines Dante geschaffen, gestern noch dicht neben ihrem Hause schrecklichste Wirklichkeit war und den Nächsten überfiel. Die Wahrheit des Buches von Weiß- Rüthel wird niemand anzweifeln können. Es ist, um dem Zweifel Raum zu geben, eine zu unpathetische, eine zu betont leidenschaftslose, zu sachlichnüchterne Beschreibung von Tatsächlichkeiten. Es wurde vermieden, ein von Haß verzerrtes Bild vor den Leser zu bringen, so begreiflich dies auch wäre, und es wurde nicht nur die Absicht verfolgt, die unvernarbten Wunden bloẞzulegen.
Weiß- Rüthel versucht, eines der schrecklichsten Symptome der Zerstörung in dem zertrümmerten Europa zu zeigen und seine Ursache zu entdecken. Seiner sachlichen und beteiligten Darstellung gelingt es, die dunklen Hintergründe zu erhellen und eine Ahnung des letzthin Unbegreiflichen zu geben.


