Druckschrift 
Nacht und Nebel : Aufzeichnung aus fünf Jahren Schutzhaft / Arnold Weiss-Rüthel
Entstehung
Seite
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I SCHRIFTLEITER IM DRITTEN REICH

Am 12. März 1940, vormittags gegen 9 Uhr, wurde ich im Gebäude der Geheimen Staatspolizei an der Brienner Straße in München von einem Herrn namens Grimm verhaftet und in das, im gleichen Hause gelegene, Untersuchungsgefängnis eingeliefert. Es lag folgender Sachverhalt vor:

Ich war in den Jahren 1934 bis 1938 Schriftleiter der ein- mal vielgelesenen Münchener WochenschriftJugend, die der bekannte Publizist und Herausgeber Dr. Georg Hirth wenige Jahre vor der Jahrhundertwende gegründet hatte. Es gehört nicht hierher die Schwierigkeiten zu schildern, mit denen ich zu kämpfen hatte, um das alte, nicht mehr sehr bewegliche Schiff über Wasser zu halten. Es genügt, wenn ich sage, daß die größte Schwierigkeit darin bestand, mit den diktatorischen Maßnahmen fertig zu werden, mit denen die herrschende Staatsgewalt ihre Meinungen und dunklen welt- anschaulichen Grundsätze vertrat und zugrunde richtete, was sich ihren Plänen nicht willenlos fügte. Diese Tatsachen sollen hier nur soweit Gegenstand der Erörterung sein, als sie auch in meinem Fall Anlaß waren, meine bürgerliche Existenz zu vernichten und mich zum Staatsfeind zu erklären.

Schon geraume Zeit vor dem Machtantritt der Nationalsozia- listen hatte sich ihre Parteipresse veranlaßt gefühlt, sich mit mir zu beschäftigen. Meine Mitarbeit an einer Reihe frei- heitlicher Blätter, darunter.Die Weltbühne und.‚Das Tage- buch, die Aufnahme meiner ErzählungMusketier Reue in die, im Jahre 1929 bei Gustav Kiepenheuer erschienene, An- thologie24 Neue Deutsche Erzähler, in der sich auch Bei- träge von Ernst Toller und Marie Luise Fleißer befanden, meine Beziehungen zum Mitarbeiterkreis der sozialdemokra-

tischen Münchener Post und schließlich die Aufforderung des