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Nacht und Nebel : Aufzeichnung aus fünf Jahren Schutzhaft / Arnold Weiss-Rüthel
Entstehung
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von diesem Zeitpunkt die Lagerführung eine bessere Aus­kunft erteilt hätte, sondern sie unterblieb überhaupt. Die Zahl der Entlassungen war gering. Die von vielen Häft­lingen gehegte Hoffnung auf einen Gnadenerlaß des Füh­rers" oder eine allgemeine Amnestie zeugte zwar für die harmlose Gemütsart dieser Hoffenden, erfüllte sich aber nicht. Größere Entlassungen erfolgten nur im Falle der tschechischen Studenten, die im Jahre 1943 in zwei größeren Trupps das Lager verließen. Auf Entlassung konnten ferner Häftlinge rechnen, die mit polnischen Mädchen ein Verhältnis ange­fangen hatten und aus diesem Grund in das Lager gekommen waren; sie wurden meist nach drei oder sechs Monaten wie­der in Freiheit gesetzt, falls sie nicht vorher den Lagertod er­litten. Denn die Anfälligkeit der Häftlinge war gerade in den ersten drei Monaten ihres Lageraufenthaltes am stärksten. Die seelische Erschütterung tat dabei das übrige. Der Mangel an innerem Halt, die Folgeerscheinung einer depressiven Ver­anlagung, erzeugte eine gefährliche Indolenz gegen die harten Bestimmungen der Lagerordnung. Wer erst einmal die bar­barischen Methoden der körperlichen Züchtigung über sich hatte ergehen lassen müssen, fand meist kein Zurück mehr; Widerstandskraft und Trotz waren gebrochen.

War ein Häftling in dieses Stadium der körperlichen und see­lischen Entkräftung gelangt, so bezeichnete man ihn als Muselmann, für den es kaum noch eine Rettung gab. Sein Zu­stand wurde ihm von den SS- Ärzten als ein Vergehen, Heim­tücke oder Arbeitsscheu vorgeworfen und er konnte auf Ge­nesung nicht rechnen. Er starb und wurde verbrannt. Viele Jahre hindurch betrug die Sterblichkeitsziffer im Lager täglich 30 Häftlinge. Die Todesursachen waren Lungenentzün­dung, Wassersucht, Phlegmone, Dysenterie, Tuberkulose, Miẞ­handlungen und die unzulängliche Behandlung. Viele Häft­linge, die ihr erbärmliches Leben nicht mehr länger ertragen konnten, begingen Selbstmord. Sie erhängten sich oder liefen in den Draht. Die Berührung des mit elektrischem Strom ge­ladenen Stacheldrahtes verursachte sofortige Herzlähmung.

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