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Nacht und Nebel : Aufzeichnung aus fünf Jahren Schutzhaft / Arnold Weiss-Rüthel
Entstehung
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bracht werden. Dieser Miẞerfolg schwächte zwar das Ver­trauen der Kommission zu den Verrätern, änderte aber nicht das Los der Beschuldigten. Die Opfer des Verrats wurden nach dem Vernichtungslager Mauthausen bei Linz verschickt. In dieser Atmosphäre der höchsten Unsicherheit, in der jeder von uns, gleichviel ob Kommunist oder nicht, täglich Gefahr lief, von einem jener Dunkelmänner an den Galgen gebracht zu werden, konnte nur durch eine stumme, verbissene Zurück­haltung und durch ein wortloses Zusammenwirken aller in besonderen und einflußreichen Stellungen wirkenden Häft­linge eine Abwehrfront gegen diese, das ganze Lager be­drohende Gefahr, geschaffen werden. Eine dieser Stellen, die direkten Einfluß auf die Geschehnisse im Lager nehmen konnte, war der Arbeitseinsatz, dem ich nach meinem Aus­scheiden aus dem Baubüro seit dem Frühjahr 1944 angehörte. Die Leiter des Arbeitseinsatzes waren einige SS- Unterschar­führer. Auch diese hatten ein begreifliches Interesse, die Zu­träger der Kommission unschädlich zu machen. Das angerich­tete Unheil konnte zwar nicht wieder gut gemacht werden, aber wir konnten die Entfernung der Spitzel Kuhnke, Koko­schinski und Volk durchsetzen. Die Sonderkommission lieẞ die Verräter fallen und überließ es der Lagerführung, mit ihnen nach Gutdünken zu verfahren.

Der Häftling Kuhnke wanderte nach Empfang von 50 Stock­hieben nach Mauthausen , also in das gleiche Lager, in das er an die 60 unschuldige Kameraden gebracht hatte. Volk ging in das Steinbruchlager Flossenbürg und Kokoschinski nach Ravensbrück .

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