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einmal im Hinblick auf diese Methoden: ,, Indem man die Maßnahmen ins Unglaubwürdige steigert, schafft man sich eine größere Sicherheit, als durch Verordnungen oder Verbote. Meiner Ansicht nach könnten die Häftlinge ruhig erzählen, was sie gesehen haben, es würde ihnen doch niemand glauben!" Der Mann hatte vollkommen recht.
Gelegentlich meiner Vorträge über das KZ wurde ich öfter gefragt, ob ich der Meinung sei, daß die geschilderten Methoden auf Befehl der Staatsführung erfolgten, oder ob es sich dabei um im Grunde unerwünschte, ja möglicherweise um unerlaubte Übergriffe einzelner, besonders grausam und sadistisch veranlagter Untergebener gehandelt habe; denn im großen und ganzen, so wendet man meist ein, läge es dem Deutschen nicht, wehrlose Menschen zu quälen; im Gegenteil, gerade die Gefangenenfürsorge war in Deutschland einmal vorbildlich. Es sei also gar nicht einzusehen, weshalb im nationalsozialistischen Staat eine derartige Wandlung eingetreten sei. Diese Annahme soll häufig die Ahnungslosigkeit Hitlers beweisen.
Bei viel mehr Menschen, als man annehmen möchte, ist die Neigung zur Quälerei nichts Außergewöhnliches, sie ist sehr vielen Menschen, welcher Nation sie auch angehören, gegeben und es liegt nur im System, ob diese Neigung unterdrückt bleibt. Schon in Zeiten, da die Gesetze es dem einzelnen verboten, seinen dunklen Trieben freien Lauf zu lassen, beschäftigten die Gerichte immer wieder Gefangenenmißhandlungen. Daß in sehr vielen und meist sehr subalternen Deutschen eine starke Neigung zu tyrannischen Äußerungen steckt, bedarf keiner besonderen Betonung. Nirgend in der ganzen Welt erregte der Hüter der öffentlichen Ordnung soviel Schrecken als der deutsche Schutzmann.
Hinter jedem Postschalter, wie überhaupt hinter jedem Schalter saß ein uniformierter oder auch nicht uniformierter Tyrann, das heißt ein Mann, der das Recht für sich in An
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