schweren Fällen sogar 100 Stockhiebe auf das Gesäß, allerdings mit der Einschränkung, daß mehr als 25 Hiebe auf einmal nicht verabreicht werden durften. Die zweite, dritte, oder vierte Ration folgte in Abständen von einer Woche, vorausgesetzt, daß das Opfer nicht vorher kapitulierte und sich in ein besseres Jenseits begab. Ich hatte später Gelegenheit, die Folgen dieser Prügelstrafe an verschiedenen Häftlingen zu sehen; schwere Verletzung der Gesäßmuskulatur, eiterndes, in Brand übergegangenes Fleisch, grauenhafte Deformationen und in sehr vielen Fällen unheilbare Destruktion der Genitalien. Auch dieser Strafe setzte man sich leicht aus. Schlechter Bettenbau, ein schmutziges Handtuch im Spind, Besitz eines verbotenen Gegenstandes konnten bereits die Anlässe sein zum Vollzug einer Strafe, von der man in den Schulbüchern las, daß Friedrich der Große sie abgeschafft hatte.
Der dritte und schwerste Grad der Lagerstrafen, eine Foltermethode mittelalterlichen Charakters, nannte sich der Pfahl. Ihr Erfinder dürfte ein Apachenhäuptling oder irgendein asiatischer Khan gewesen sein. Sven Hedin berichtet in einem seiner Tibet- Bücher über diese, bei irgendeinem von den Segnungen der Kultur und Zivilisation noch nicht angekränkelten Volksstamm übliche Methode, die darin bestand, daß der Delinquent an den auf dem Rücken gefesselten Händen hochgezogen wurde. Als der bekannte Forscher sich über diese Barbarei entrüstete, konnte er freilich nicht ahnen, daß einst im Reiche Adolf Hitlers , für das er so kräftig die Reklametrommel rührte, einmal genau die gleiche Methode an den wehrlosen Opfern einer mit uneingeschränkten Machtbefugnissen ausgestatteten Staatspolizei geübt werden würde. Zur Anwendung gelangte diese Methode in ,, Zweifelsfällen"; also in jenen Fällen, die in den Zeiten einer humanen Rechtssprechung unter dem gütigen Motto„, in dubio pro reo" standen, in den Tagen Adolf Hitlers aber die Wiedereinführung der Tortur notwendig machten.
Der unglückliche Häftling wurde an den mittels einer Kette auf den Rücken gebundenen Händen an einem starken, etwa
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