man den Kleinen statt Brot ein Stück Seife und ein Handtuch in die Hand.

Wieder hörte Manez ein eigentümliches Rufen in der Luft. Er mußte seine Sinne anstrengen, um bei der Sache zu bleiben, denn das Entsetzen nahm ihm fast das Den­ken.

Nun bewegten sich die kleinen trippelnden Schritte von vielen winzigen Füßchen auf dem Boden an ihm vorüber und blieben in langen Reihen vor dem Gebäude stehen.

Die wartenden ahnungslosen, unglücklichen Menschen wußten nicht, daß sie allesamt zur Schlachtbank ge­führt wurden. Aber Josef Manez begann langsam diese fürchterliche Entdeckung zu machen. Welch ein unge­heures Verbrechen wurde hier unter Gottes freiem Him­mel verübt?! Waren das noch Menschen? Nein, sie hatten nur die äußere Gestalt von ihnen. Es waren wohl Teufel.

Manez bekam ein würgendes Gefühl in der Kehle. Sein Gesicht war naß von Tränen, die ohne sein Zutun aus den Augen strömten.

Er, der starke Mann, weinte vor Grauen und Jammer, weil er nicht helfen konnte.

Nur noch die lange Reihe der Kinder wartete auf Ein­lag vor dem Eingang des sogenannten Duschraumes, worin die Erwachsenen bereits verschwunden waren.

Manez' Entsetzen war so gestiegen, daß er sich ver­gewissern mußte, ob nicht ein böser Traum ihn narrte, oder ob er noch seinen Verstand beisammen habe? Er kniff sich in den Arm, um einen Schmerz zu spüren. Ja, seine Sinne waren nicht gelähmt, sie waren wach.

Einem ungeheuren Frevel war er auf die Spur ge­kommen.

Wäre die Seife nicht seinen Händen entglitten, dann wäre auch er mit allen den andern hineingeströmt in jenes Mordhaus, das sich Dusch- und Brausebad nannte. Er wäre dort dem Schicksal aller andern verfallen ge­wesen und wer weiß, gewiß schon ermordet.

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