Und wie die Sonne sonst in ihrem Glanz und ihrer Schönheit die Freude aufleben ließ, wurde das über­maß der Schwüle und trockenen Hitze den Menschen zur Qual.

Die Stille in der Natur war voll von einem heimlichen Lauern und Flüstern, als wenn ein Geheimnis in der Luft läge. Oder, als wenn etwas Böses im Anlauf sei.

Die Gefangenen warteten auf den Abend, wo von den Bergen die kühlen Lüfte herüberströmten und das Tal anfüllten. Dann kam die Erquickung. Aber auch diese blieb jetzt aus.

Die Brunnen und Pumpen auf den Höfen waren um­lagert von den Dürstenden mit Krügen und Töpfen. Diese liefen über von dem zauberisch erquickenden Naß des kühlen Wassers. Die Fenster in den Stuben waren fest geschlossen, damit keine Hitze hereindringe, aber es sirrte und summte da drinnen von Hunderten von Fliegen und Mücken.

Himmel und Erde in ihrer unvergleichlichen Schönheit mußten die glühende Umarmung der Sonne ertragen, bis am fernen Horizont die erste Wolke auftauchen würde und Kühlung bringen.

Inmitten dieser sengenden Glut rüsteten sich die Tau­senden von Gefangenen zum Abmarsch. Sie strömten durch die menschenleeren Straßen nach der Bahnhof­straße, wo der dort wartende Eisenbahnzug bereits an der Rampe stand, um sie aufzunehmen.

Die Gefangenen schritten dahin wie ein Sklavenzug. Sie litten unerträglich unter der Hitze. Das Gepäck auf ihrem Rücken drückte und schmerzte in der Sonnen­glut.

Ein tiefes Unglücklichsein verstärkte die Qual des Ab­schieds.

Die Abreise war für alle Beteiligten eine schwere Prüfung. Besonders für Peter. Was er litt, das konnte er mit Worten überhaupt nicht nennen. Er fühlte eine Faust am Herzen, und Ängste trieben ihm Schweiß­perlen auf die Stirn. Wenn er Hans ansah, so schien es

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