Schiffbrüchige können beim Anblick ihrer Retter keine größere Freude zeigen, als diese bis am Rand der Verzweiflung gebrachten und zu Tode erschöpften Menschen bei diesem Befehl.
Sie erwachten aus ihrer Starrheit und Verkrampfung und reckten und dehnten die Glieder.
Zwar mußten jetzt erst die Ohnmächtigen und Schwachen auf Tragbahren fortgebracht werden. Darunter auch der mißhandelte, verletzte Mann. Aber, oh Glück und Segen, man konnte sich endlich rühren und bewegen. Die Ordner, von der Aufsicht der SS- Offiziere befreit, nahmen ein menschenwürdigeres Benehmen an und halfen bei der Bergung der Kranken und Schwachen.
Kitty hatte heftig erbrochen, ihre Kräfte wollten noch nicht zurückehren. Sie schwankte wie eine Birke im Sturm. Wenn jetzt Peter käme. Aber die Wiese war schwarz von dem Gewühl der Menschen, und es war nicht hindurchzukommen.
Vor der Barriere wieder ein Aufenthalt: zwei Stunden!
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Wieder mußten die Menschen warten, bis sie von den SS- Posten hineingelassen wurden. Endlich öffneten sich die Schranken: die Gemarterten strömten in das Lager zurück, das sie vor zwölf Stunden verlassen hatten.
Die Natur entfesselte gegen Morgen ein Gewitter von einem unheimlichen Ausmaße. Hagelschauer prasselten hernieder und schlugen mit voller Wucht gegen Scheiben und Türen.
Ganz Theresienstadt erwachte jäh aus bleiernem Schlummer. Mit weit aufgerissenen Augen und gefalteten Händen saßen oder standen die Menschen umher.
Der Regen goß in Strömen. Das grelle Leuchten der Blitze durchbrach die Verdunkelung an den Fenstern, und die gewaltigen Donner fuhren wie Keulenschläge hernieder.
Bei Kittys Eintritt gab es Hallo und Gelächter. Sie
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