Schreien möchte man in alle Winde seinen Jammer, schreien

Was hat man mit uns vor?

Das war keine Volkszählung. Sie sollte nur zur Tar­nung dienen, um uns hierher zu locken ohne Widerstand. Hatte die Frau doch recht? Sollten wir heute alle hier erschossen werden? Zu allen Zeiten haben Menschen durch Kriege leiden müssen.

Aber wir waren ja keine Feinde, wir waren ja Deut­sche.

Sie schändeten uns und taten uns das Ärgste an. Die Aussicht, aus dieser quälenden Lage lebend her­vorzugehen, wurde immer geringer.

Manche gaben die Hoffnung ganz auf. Mit totenblas­sen Gesichtern starrten sie stumm vor sich hin.

Kitty stemmte sich mit aller Kraft gegen die Gedan­ken des Unterganges. Sie wollte leben.

Gott erbarmte sich in diesem Augenblick durch seine unsichtbare Gewalt. Es wurde dunkel.

Der Himmel überzog sich mit schweren Wolkenbal­len. Hinter ihnen zeigte sich schon der Schimmer fer­ner Blitze, und man hörte das dumpfe Grollen des Donners folgen.

Immer tiefer und schwärzer hingen die Wolken herab, und die grelle Helligkeit dahinter nahm zu und ver­stärkte sich immer mehr.

Bald jagte ein Sturm heran mit Pfeifen und Fauchen und trieb die Wolken zu einer einzigen dichten Masse

zusammen.

Mit weit aufgerissenen Augen und gefalteten Händen stand die Menge.

War das das Ende?

Nun wurde es auch den SS - Leuten zu ungemütlich. Sie hatten bereits das Feld verlassen.

Nur im Hintergrunde hoben sich die Silhouetten der Wache haltenden Posten mit ihren aufgepflanzten Ba­jonetten vom Himmel ab.

Plötzlich hieß es, sich zum Aufbruch zu rüsten.

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