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, Guter Gott, hilf uns, hilf uns!"

Sobald die Uniformierten in Sicht waren, stand sie aufrecht, aber dann hingen ihr die Glieder lose in den Gelenken und sie war nahe daran umzusinken.

Hier in der Menge standen eingeschlossen in den Gruppen brave tüchtige Männer aus der Ärzte- und Gelehrtenwelt, es waren berühmte Namen darunter, dann die Oberingenieure, das technische Personal, Be­amte, Kaufleute und außerdem die männliche und weib­liche Jugend.

Sie alle waren einen paar toll gewordenen SS - Leuten zum Spott und Hohn preisgegeben.

Es würgte jedem am Herzen. Wer noch nichts von Haß wußte, der lernte ihn in dieser Stunde kennen.

Gab es Menschenrechte? Wo bleiben die? Durfte eine solche Schande geschehen, 38 000 Menschen nutz­los zu martern?

Aber es war ja der 9. November. Opfer mußten ge­bracht werden, und man verlangte sie von wehrlosen, schutzlosen, unschuldigen Menschen.

Das erste Wiedersehen mit Gottes freier, schöner Natur wurde für alle ein Tag der Qual und der Schande.

Erstorben war jeder Gedanke an Freiheit und Rück­kehr in die Heimat. Ausgeliefert waren sie einer Horde von Sadisten, ihren Gefängniswärtern auf Tod und Ver­derben. Und das Entwürdigendste war, daß es in der Heimat niemand je erfahren würde, wie Deutsche gegen Deutsche wüteten, und man keine Möglichkeit hatte, es sie je wissen zu lassen.

Wie födlich langsam schlich die Zeit.

Waren es nicht Tage, die man hier auf der weiten Fläche verbraucht hatte? Stunden?! Unsinn, es kann nichi sein!

Eine Ewigkeit schien es allen Beteiligten.

Ach, dem Elend zuzusehen, wie sich die Reihen lich­teten und die Ohnmächtigen sich mehrten, wie sich die Menschen bemühten, ihre Schwäche zu überwinden. Es wurde immer unheimlicher.

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