Unser Ingenieur Ferner ist Schauspieler in seinem Pri­vatleben. Der Färber Klinger, ein Professor der Chemie aus Prag . Beide sind Tschechen . Auch unsere Vorge­setzte, Frau Duka, ist eine Tschechin und frühere Guts­besitzerin gewesen. In leitenden Stellen sind immer nur Tschechen eingesetzt, selten ein Deutscher."

,, Ich weiß es", erwiderte Peter. Es ist ja auch ihr Land, in dem wir unfreiwillig leben müssen. Sie haben ein Recht auf die ersten Plätze."

,, Die Tschechen mögen uns nicht leiden. Sie hassen alles Deutsche. Mir tut es weh. Ich habe die Tschechen sehr schätzen gelernt. Welch' ein tüchtiges und schönes Volk!"

,, Es ist viel Kunst bei den Frauen und viel Mache bei den Männern. Aber das verstehen Sie nicht, Kitty, dafür fehlt Ihnen der Blick." Peter lachte.

Beide schwiegen, denn weitere Vorträge hatten be­

gonnen.

Nach Verlauf zweier Stunden entleerte sich das Kaf­feehaus, um neuen Besuchern Platz zu machen. Län­ger als zwei Stunden durfte niemand bleiben. Auf dem Heimweg war es für Kitty schwer, mit ihrer Beichte zu beginnen, aber die Verpflichtung, gegen Peter wahr zu sein, war stärker als die Unbequemlichkeiten.

,, Peter, ich möchte Ihnen offen erklären, daß ich in Hamburg einen Mann zurückgelassen habe, dem mein Herz bislang gehörte. Aber seit dem Tage, da ich merkte, wie sehr Sie mir fehlen, vergaß ich ihn häufig. Ich stehe zwischen Vergangenheit und Gegenwart mit meinem Herzen. Nie höre ich von dem fernen Freund. Weiß ich, ob er lebt? Ich lebe, aber wie! Mein Herz darf keinen Teil an meinem Leben haben.

Was bin ich wert für Sie, ohne den vollen Einsatz?" Da zog Peter das liebe Gesicht zu sich heran und küßte den fragenden Mund.

,, Ich nehme dich, Kitty, wie du bist, mit allen Fehlern und Schwächen. Laß mich dir dein Leben mit tragen helfen, auch mit den vielen Zweifeln. Wie darf ich for­

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