Auch aus dem Wirrsal des eigenen Herzens mußte ein Weg gefunden werden. Doch entscheiden konnte nur Peter.

An dem schwächer werdenden Verkehr gewahrte Kitty, daß die Zeit ihres Wartens bald zu Ende sei. Peter kann nicht mehr fern sein.

Erschöpft lehnte Kitty sich an die kühle Wand der Mauer und schloß einen Moment die Augen.

Peter blieb beim Herannahen erschüttert stehen, so leidend erschien ihm das geliebte Antlitz.

Ganz versunken in ihren Anblick, mochte er sich nicht sofort von ihm lösen. Kitty wurde ihm immer mehr zum Sinnbild seiner geliebten Mutter. Aber nicht nur die äußerliche Ähnlichkeit mahnte ihn daran, sondern viele kleine Züge ihres Wesens.

Sie erschien ihm als die Krönung seines Lebens.

Blieb ihm Kitty, so bewahrte sie ihn vor der Ver­zweiflung des Gefangenseins.

Was die Freiheit wert ist, hatte ihn die Knechtschaft gelehrt.

Der Druck war von Kittys Brust gewichen. Sie öffnete die Augen und erblickte voller Freude Peter.

Er hatte ihre Hand ergriffen und geküẞt.

So erwachte sie völlig.

Jetzt waren ihre Gedanken ganz in der Gegenwart. Ihr Gesicht war fein und zart, und ein schwaches Rot lag auf den Wangen. Freudig leuchteten ihre Augen in Hoffnung und Glauben.

Wenn einer jungen Pflanze Kräfte in der Wurzel auf­gespeichert blieben, so regen sie sich auch nach der Verpflanzung in der fremden Erde.

Auch Kittys noch unverbrauchte Kräfte begannen beim Anblick Peters zu frohlocken. Oh, wie sie sich freute. Sie sprach und begrüßte ihn.

Ihre Stimme erschien Peter wie Musik.

Der Regen und der hereinpeitschende Sturm erstickte ihr jedoch das Wort im Munde. Peter hing ihr seinen Mantel um die Schultern und rollte den Sackfetzen zu­

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