scheidung bringen zwischen erwachendem Leben oder finsterer Nacht.
Klar übersah Kitty ihre Lage. Sie war Peter Offenheit schuldig.
Und wie sie am gestrigen Tage überwältigt wurde durch die Macht seiner Liebe obgleich kein Wort darüber von seiner Seite fiel so fand sie sich jetzt selbst den widerstreitendsten Gefühlen ausgeliefert.
Wieviel Zeit war vergangen, seitdem sie an Peters Brust geruht hatte? Sie meinte, es sei eben gewesen. Sie lauschte auf die innere Stimme ihres Herzens. Was soll sie tun? Wie sich verhalten?
Weit entrückt ist der geliebte Freund.
Wird sie je den Weg zu ihm zurückfinden?
Sie, eine Gefangene hinter Mauern, die sich vielleicht nie öffnen werden. Oder doch?-
Neben ihr Peter, gleiches Schicksal, gleiches Los. Vor dem Nichts zerbricht der Mensch. Auch Kittys gefestigte Natur erlahmte. Eine Furcht stieg in ihr auf, die sie bisher noch nicht gekannt hatte.
Wie, wenn nach diesem ersten Jahr wieder ein Jahr und weitere vergehen und keine Rettung aus der Gefangenschaft kommt? Wenn die Befreiung unmöglich ist und sie hier mit Peter begraben sein wird?
Sie fühlte ihre Kräfte von Tag zu Tag mehr schwinden.
Der Gedanke machte Kitty wie im Fieber frösteln. Ja, du guter Gott, warum rührt sich denn keine Hand zur Hilfe? Zu Hause scheinen sich die Geschwister mit dem Tode der Schwester abgefunden zu haben.
Hier war der wunde Punkt, wo alles Denken aufhörte. Wer nach einem so tapferen Verhalten während einer so langen Zeit in den schwersten Lebensumständen seine Kräfte in den Dienst der leidenden Menschheit eingesetzt hatte, der brauchte wahrlich nicht zu verzagen. Er wird sich auch weiter behaupten und das Joch tragen können, ohne zusammenzubrechen. Kitty faßte wieder Mut.
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