Jetzt war sie einem neuen Geschehen ausgesetzt, in dem das Sichtreibenlassen zu Ende war.
Fern
--
meilenweit, in der Heimat weilte der Mann ihres steten Gedenkens. Seit über einem Jahr hatte Kitty nichts mehr von ihm gehört. Weder einen Gruß, noch irgendein anderes Erinnerungszeichen von ihm erhalten.
Lebte er noch?
-
Hatte er sie vergessen?
Heute erwartete sie Peter in der Magdeburger Kaserne, in den Wandelgängen des ersten Stockwerkes. Bei Regenwetter konnte man nicht im Freien bleiben. Die tiefen Fensterbögen gaben einen Platz zum Sitzen und boten Schutz gegen den strömenden Regen. An den Kuppeln der elektrischen Lampen hatten sich überall Schwalben ihre Nester gebaut. Sie schwirrten immerfort ein und aus. Jedes Jahr suchten sie ihre alte Heimat wieder auf und fanden sie unverändert.
Die glücklichen Tierchen!
Das Tempo des Arbeitsganges stockte nie und setzte sich von einem Ende des Lagers bis in die entlegensten Winkel Theresienstadts fort. So auch hier in der Magdeburger Kaserne. Es war ein immerwährendes Kommen und Gehen vieler Menschen aller Bildungsund Altersstufen, die zu den Arbeitsämtern oder in die Büros des Altestenrates eilten. Die Nachlaß- und Kriminalgerichte lagen in den zweiten Stockwerken. Auch ein Theatersaal war dort oben vorhanden.
In beiden Stockwerken befanden sich außerdem noch Räume, wo prominente Leute in halbwegs anständig ausgestatteten Räumen, mit Betten und den dazugehörigen Matratzen, in besonders bevorzugter Weise untergebracht waren. Hier wohnte auch Peter Vagas.
Zum Schluß sei noch das Gefängnis im letzten Gang des zweiten Stockes erwähnt, wo leichtere Häftlinge eingesperrt wurden. Die wirkliche Strafanstalt war die kleine Festung. Unterirdisch angelegt, das sagt genug. Die heutige Zusammenkunft mit Peter sollte eine Ent
201


