war sein Verhängnis, denn sofort stürmten übereifrige Frauen auf ihn ein und bedrängten ihn mit tausend Fra­gen. Er wehrte hastig ab.

,, Meine Damen, fragen Sie nur vertrauensvoll die Ordonnanz, sie wird Ihnen helfen."

Dann wandte er sich an Kitty, die im Hintergrunde stand und mit großen Augen die Szene verfolgte.

,, Gnädige Frau, wie ich höre, sind Sie leidend, Sie können hereinkommen." Peter sagte es so gleichgültig wie möglich und schritt voran. Kitty folgte. Die War­tenden schauten mürrisch und finster hinterdrein.

Als Kitty den vorbildlich eingerichteten, hellen Ordi­nationsraum betrat mit den blitzenden, modernen In­strumenten und Ausrüstungen eines absolut großstädti­schen Sprechzimmers der Zahnheilkunde, meinte sie nicht in Theresienstadt, sondern in Berlin zu sein.

,, Nun, wo fehlt's denn, meine gnädige Frau?"

,, Ich möchte meine Zähne reinigen und auf etwaige Schäden untersuchen lassen, Herr Doktor." Sie wurde in einen der bequemen Lederarmstühle gesetzt, und dann beleuchtete Peter mit einer Lampe die Zähne und das Zahnfleisch.

,, Selten habe ich ein solch' einwandfreies Gebig ge­sehen, wie das Ihrige, gnädige Frau."

,, Ich glaube, Herr Doktor, Sie wissen nicht einmal, wie ich heiße, verzeihen Sie meine Vergeßlichkeit. Kitty Bergner!"

,, Danke, Frau Bergner. Bitte ausspülen!"

Kitty entfaltete im Umgang einen unsagbaren Lieb­reiz.

Die zarłe, blasse Hautfarbe, das üppige, goldblonde Haar, der reizende Mund mit den prachtvollen Zähnen und vor allem die Augen mit der merkwürdigen blau­grünen Iris waren das Reizvollste und Schönste, was Peter je gesehen hatte. Das Sehnen seines Herzens war nur von dem einzigen Wunsch beherrscht, etwas zu fin­den, um Kitty noch ein wenig bei sich zu behalten. Moch­ten die Frauen heute einmal länger warten als sonst.

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