Strahlender Sonnenschein fiel ins Zimmer und weckte Peter aus dumpfen Träumen. Rasch sprang er auf und machte sich fertig. Hans war noch bei der Toilette. Gott sei Dank, verschlafen hatte er also nicht. Aber sein Kopf tat ihm furchtbar weh von all' dem Denken. er nahm sich vor, durch Arbeit heute seine Gedanken zu zer­streuen. Da klang die Stimme seines Freundes Anthony.

,, Du, Peter, der kleinen Freundin Helgas soll es nicht zum besten gehen. Sie hat wieder eine Ohnmacht ge­habt."

Peter überlief es siedend heiß. Mit Mühe drehte er sich herum und sagte mit einer Stimme, die völlig ton­los klang: ,, Man müßte sich' mal nach ihr umsehen, meinst du nicht auch? Vielleicht könnte ich mich an den Blockarzt wenden. Milch wäre ja das Allerwichtigste." ,, Ja, Peter, ich denke auch, es wird das richtige sein!"

Ein Laut wie ein Stöhnen entrang sich Peters Brust. ,, Was hast du, Peter?" fragte Anthony besorgt. ,, Nichts, verzeihe! Du entschuldigst mich wohl." Peter verschwand eilig hinter der Tür. Unten im Hof lief er im Eiltempo durch das Tor und übersprang mit schnel­len Schritten die wenigen Straßen bis zur Rathausgasse, wo Kittys Haus war. Dort stand er eine Weile und hörte sein Herz klopfen. Was wollte er eigentlich? Er hatte ja nicht das Recht, hineinzugehen, und eine Ausrede fiel ihm nicht ein. Wie mit Zentnerlasten beschwert ging er wieder zurück und trat den Weg in seine Sprech­stunde an.

Peter war ein Fanatiker der Arbeit. In Theresienstadt hatte er seine Sprechstunde auf die Vor- und Nach­mittagsstunden gelegt. Trotz dieser anstrengenden Tä­tigkeit, wo er dauernd mit den vielen Krankheitsfällen beschäftigt war, und wo er noch außerdem geschicht­liche Studien trieb, empfand er eine Leere, die er be­seitigen mußte. Denn auch die Sorge um seine Mutter füllte sein Herz nicht ganz aus. Jetzt, wo er fühlte, daß er eine merkwürdige Sehnsucht nach einer ihm

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