schrieb sie eifrig an ihren Arbeifen. Es war sehr schlimm, daß ihr kein Papier zu Gebote stand, darin herrschte der größte Mangel. Niemand hatte Papier .
In einem ihrer Koffer hatte sie damals nach Theresienstadt 500 Blatt des schönsten Papiers mitgebracht, in der Hoffnung, ihre so wichtigen Arbeiten fortsetzen zu dürfen. Aber leider hatte sie ja wie alle anderen Leidensgefährtinnen des damaligen Transportes nicht einen einzigen Koffer zurückerhalten. Schlimm war, daß darin der letzte Rest des einstigen Wohlstandes sich befand. Nur den Schlafsack, worin sich die Betten und zum Glück noch ein Wintermantel befand, wurde ihr verabfolgt.
Am Anfang hatte Kitty fassungslos den Tatsachen gegenübergestanden und Tage und Nächte darüber gegrübelt, wie es möglich sei, daß plötzlich alles Recht, alle Moral aus der Welt verschwunden war. Aber nicht nur sie, Kitty, hatte den Verlust aller Kleider, Wäsche, Unterzeuge, Stiefel und all der tausend Kleinigkeiten zu beklagen, nein, alle anderen Menschen, die vor und nachher in Theresienstadt eintrafen, hatten das gleiche Schicksal gehabt. Mit Ausnahme der tschechischen Gefangenen.
Was aber am schlimmsten und verzweiflungsvollsten war und ihr fast das Herz abpreßte, war der Verlust sämtlicher Manuskripte sowohl ihrer Arbeiten an Märchen, Romanen und Novellen und den gedruckten Rezensionen, als auch der Lieder und Klavierstücke ihres verstorbenen Mannes, die sie alle zum Trost in ihrem einsamen Leben mitgebracht hatte.
Sollte sie nun etwa darüber verzweifeln? Was hülfe es ihr? Nein, im Gegenteil! Sie raffte alle ihre Energie zusammen, lief von Pontius zu Pilatus, um wenigstens diese Sachen zurückzuerhalten, die doch wahrhaftig für niemanden einen Wert besaßen.
Kitty wurde aber eines besseren belehrt.
Und das geschah durch folgenden Umstand:
Am Anfang ihrer Inhaftierung hatte sich eine künst
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