fenster geöffnet. Das weckte ihren Verdacht. Als sie hinunterblickte, war dort, wo die Teppichstange vorher gehangen hatte, ein leerer Raum, diese selbst lag auf dem Boden und daneben eine dunkle Masse.
Gerade bemühten sich zwei Männer, das schwarze Bündel aufzuheben. Kitty eilte ihnen auf der Treppe entgegen, und die Männer trugen den leblosen Körper in die Küche und legten ihn dort nieder.
Es war Frau Borchers, die sich aus dem Fenster gestürzt hatte.
Der Anblick war schrecklich.
Die ganze Gesichtshälfte war aufgerissen und das Auge hing heraus. Die Unglückliche war bei dem Sturz auf die Teppichstange gefallen und der Mauerhaken hatte ihr die Verletzungen beigebracht. Eine große Blutlache bildete sich schnell unter ihrem Kopf, den man durch Kissen zu stützen suchte.
,, Schnell zum Arzt", rief Kitty und lief zurück in ihr Zimmer, um sich umzukleiden. Sie hatte ja nur einen dünnen Morgenrock an. Allein die Männer hatten sich untereinander schon verständigt, und einer von ihnen war bereits fortgegangen, den Arzt zu holen. Sie kniete an der Seite der Schwerverletzten nieder und leistete einen notdürftigen Verband. Von allen Seiten war man bereit, Hilfe zu bringen. Die Küche war überfüllt von den Frauen der verschiedenen Zimmer. Wie ein Lauffeuer hatte sich die Kunde des Selbstmordes mitten in der Nacht verbreitet, und die aufgescheuchten Insassinnen umstanden leise flüsternd das Lager der Sterbenden. Es war unmöglich, das sah ein jeder, daß diese Frau noch am Leben blieb, denn neben dem Schädelbruch waren trotz des kurzen Sturzes das Bein und die linke Hand auch verletzt.
Frau Borchers stöhnte laut. Sie schien heftige Schmerzen zu empfinden.
Kitty beugte sich zu ihr hernieder.
,, Haben Sie einen Wunsch, kann ich Ihnen helfen, Frau Borchers? Hier ist Frau Bergner. Verstehen sie mich?"
132


