stellte, ganze Herden von Läusen. Eine schauderhafte Angelegenheit.
Von den Frauen war es besonders Frau Borchers, die voller Läuse saß. Es muß hier gesagt werden, es konnte jede von uns treffen trotz der krampfhaftesten Sauberkeit. Daß aber die Läuseplage so unermeßlich gewachsen war, hatte keiner geahnt. Traurig blickte Kitty auf die arme Frau Borchers, die ihren angestammten Platz, den sie nun schon ein Jahr lang innehatte, verlassen mußte und in der Mitte des Zimmers mit den anderen Befallenen isoliert wurde.
Nachdem der Doktor das Zimmer verlassen hatte, brach ein Sturm von Entrüstung aus. Die Frauen waren in äußerster Aufregung, daß gerade das eigene bewohnte Zimmer so voller Läuse war. Besonders ein Fräulein Nachold konnte sich nicht genug fun, zu schelten und sich zu ereifern und zeigte besonders der armen Frau Borchers offen ihre Verachtung. Das war ein großes Unrecht.
Frau Borchers tat Kitty besonders leid, ja sie grämte sich direkt darüber, daß es gerade diese brave Frau treffen mußte. Woran lag es nun? Hatte sie es wirklich an Sauberkeit fehlen lassen?
Kittys Nachbarin zur Rechten, eine Frau Levin, hatte seit einigen Tagen wieder Durchfall und mußte in der Nacht häufig aufs Becken. Trotzdem Kitty immer noch körperliche Schwäche fühlte, seitdem sie die Blutvergiftung mit dem hohen Fieber gehabt hatte, half sie doch in der Nacht dieser Frau und schob ihr das Becken unter der mageren Körper. In dieser Nacht wollte sie aber hinaus, und Kitty mußte sie stützen sowie hochrichten und zur Toilette geleiten, denn allein war die Frau zu schwach zum Gehen. Einer mußte eben dem andern helfen.
Als beide in der Nähe der Toilette waren, da hörten sie einen furchtbaren Schrei. Erstarrt vor Schreck liek Kitty ihre Begleiterin allein in die Toilette gehen und eilte dem Schrei nach. Auf dem Korridor war das Flur
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