Kitty zuerst gewahrte. Dauernd war er auf der Suche nach dieser reizenden Frau gewesen, aber es war ihm nicht geglückt, sie zu finden. An dem nebeligen Nach­mittag, wo er mit Hans Anthony durch die Hauptstraße ins Kaffee gehen wollte, hatte er auf einen kurzen Mo­ment seine schöne Unbekannte in dem Menschenstrom auftauchen sehen. Nur blitzartig, dann war sie wieder in der Menge verschwunden. Später sah er sie in das Gebäude des Jugendheims eintreten.

Immer war er nach Schluß seiner Sprechstunde durch die Straßen Theresienstadts geeilt, aber nie war es ihm geglückt, die liebliche Blondine irgendwo zu entdecken.

Nun blieb er im Gang der Geniekaserne wie ange­wurzelt stehen. Ein glücklicher Zufall hatte ihm endlich diese Frau wieder in den Weg geführt. Er kannte die kleine Frau Helga Arnstein als seine Patientin gut, und zog daher den Hut und blieb stehen.

,, Nun, Frau Arnstein , keine Behandlung mehr nötig?" ,, Nein! Gott sei Dank, mein Zahnweh ist verschwun­den. Ihre Kunst in Ehren, Herr Doktor."

,, Freut mich!" Er schritt, nachdem er seinen Huf gezo­gen, vorüber. Leider war die Freundin zur Seite getre­ten, so daß er heute sich nicht vorstellen konnte. Wie sehr dankte er dem Schicksal, endlich der so lang Ge­suchten begegnet zu sein.

Nun wußte er den Weg, der zu ihrer Bekanntschaft führte. Nur das ,, Wie" mußte er noch herausfinden.

Kitty hatte inzwischen ihre Medizin durch das Schal­terfenster in Empfang genommen.

,, Du Schaf, warum läufst du denn davon? Ich hätte dich so gern mit Herrn Dr. Vagas bekannt gemacht, er ist der liebenswürdigste Mann und der beste Zahnarzt in ganz Theresienstadt. Wenn du mal Zahnweh hast, zaubert er dir jeden Schmerz hinweg."

,, Meine Zähne sind gesund", erwiderte Kitty. ,, Wohl, das glaube ich dir, aber der Mann, interessierst du dich gar nicht für einen Herrn der Schöpfung?" ,, Nein, Helga, sieh, hier in unserer traurigen Lage wäre

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