10.30 bis 13 Uhr und abends von 16 bis 19 Uhr. Die Abendmahlzeiten waren gewöhnlich nur ein Schöpflöffel Kaffee, später trat an dessen Stelle eine Kelle dünner Suppe.

Helga Arnstein war Jüdin und mit einem arischen Mann verheiratet gewesen. Er hatte sich nach Bekannt­gabe der Nürnberger Gesetze sofort von ihr scheiden lasen, um den Direktorposten nicht niederlegen zu müs­sen. In der chemischen Fabrik, wo er angestellt war, herrschten außerordentlich strenge Vorschriften, und er hätte seine Tätigkeit aufgeben müssen, falls er mit sei­ner Frau weiter zusammen leben wollte.

Hitler , der Diktator dieser drakonischen Gesetze, hatte dem Judentum Kampf bis aufs Messer geschworen und hatte eine Maßnahme angeordnet, daß aus allen Län­dern, Deutschland an der Spitze, die Juden wie Schlacht­vieh hinausgetrieben und, wie man in späterer Zeit er­fuhr, gänzlich vernichtet werden sollten. Dauernd be­fanden sich aus diesem Grunde Transporte unterwegs. Daher war Helga ein halbes Jahr später in Theresien­stadt eingetroffen als Kitty Bergner. Sie war eine rei­zende Brünette mit lebhafen, braunen Augen, ebensol­chem Haar und einer kleinen zierlichen Figur. Wie ein Bachstelzchen war sie in dauernder Bewegung und blieb nie lange an einem Fleck stehen. Kitty dagegen war blond, etwas größer und sehr ruhig und zurückhaltend. Sie bot daher einen direkten Gegensatz zu ihrer Freun­din. Trotzdem lenkte sie sofort den Blick auf sich durch die Lieblichkeit ihrer Erscheinung. Wer einmal in diese blauen Augen mit dem ernsten Ausdruck geblickt hatte, die so rein ihre feine Natur widerspiegelten, der vergaß nie und nimmer den Eindruck dieser kindlich zarten Züge.

So erging es auch Peter Vagas, der vor längerer Zeit anläßlich eines Konzertes der Freizeitgestaltung, das auf einem der Höfe im Blockhaus der Badhausgasse zu Gehör kam, und woran Kitty und Helga, auf dem Rand eines Brunnens stehend, teilgenommen hatten,

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